Von Dirk Preiẞ
An diesem Samstag will der VfB Stuttgart mal wieder Geschichte schreiben - und den DFB-Pokal gewinnen. Der bislang letzte Triumph des Clubs in diesem Wettbewerb liegt schließlich lange zurück. Am 14. Juni 1997 reckten Brustring-Spieler letztmals den Pokal in den Berliner Himmel. Gegner damals war der FC Energie Cottbus - wie nun auch ein Drittligist, der in die zweite Liga aufgestiegen ist. Der VfB siegte mit 2:0. Auf dem Weg ins Endspiel hatte die Mannschaft des Trainers Joachim Löw den Hamburger SV, den SC Freiburg, Hertha BSC, den FSV Zwickau und Fortuna Köln aus dem Weg geräumt. Wer wurde damals zum Pokalhelden? Was ist aus den Profis geworden?
Franz Wohlfahrt
Der Torhüter war im Sommer 1996 von Austria Wien zum VfB gekommen und holte gleich in seiner ersten Saison den Pokal. Wohlfahrt blieb bis 2000 in Stuttgart und ging dann zurück zu Austria Wien. Während seiner VfB-Zeit nahm er auch für Österreich an der WM 1998 in Frankreich teil. Im Anschluss an seine aktive Karriere arbeitete er als Torwarttrainer, unter anderem für den österreichischen Fußballverband und dessen Nationalmannschaft. Von 2015 bis 2018 war er Sportdirektor bei Austria Wien, diesen Job übte er danach auch beim SV Oberwart aus. Bis 2021 war er Geschäftsführer Sport beim FC Admira Wacker Mödling.
Frank Verlaat
Der Niederländer war 1995 von AJ Auxerre zum VfB gekommen, beim Pokalsieg war er Kapitän der Stuttgarter. 1999 ging Verlaat zu Ajax Amsterdam, um ein Jahr später in die Bundesliga zurückzukehren. Bis 2003 spielte er für den SV Werder Bremen. Es folgten ein Jahr bei Austria Wien und drei Jahre beim Sturm Graz. Sein Sohn Jesper spielt heute in der Dritten Liga für den TSV 1860 München.
Thomas Berthold
Der Abwehrspieler war 1993 vom FC Bayern zum VfB gekommen und blieb bis zum Jahresende 2000. Der Weltmeister von 1990 wechselte dann in die Türkei zu Adanaspor, beendete aber im Sommer 2001 seine Karriere. Von 2003 bis 2005 war er Manager bei Fortuna Düsseldorf, später war er unter anderem als TV-Experte tätig.
Marco Haber
Der Mittelfeldspieler kam einst vom 1. FC Kaiserslautern zum VfB und spielte von 1995 bis 1998 für die Stuttgarter. Er spielte danach für zahlreiche Vereine: UD Las Palmas, SpVgg Unterhaching, Hansa Rostock, Omonia Nikosia, Anorthosis Famagusta, Nea Salamis Famagusta, FSV Oggersheim. Bei letzterem Club war er nach seiner aktiven Karriere Sportlicher Leiter, ehe er beim FCK verschiedene Positionen bekleidete. Seit Sommer 2020 ist er im Nachwuchsbereich des TSV 1860 München tätig.
Thorsten Legat
Der Abwehrspieler war bereits Pokalsieger, als er 1995 von Eintracht Frankfurt zum VfB kam. Zuvor hatte er mit Werder Bremen den DFB-Pokal, die Meisterschaft und den Europapokal der Pokalsieger gewonnen. Nach seiner VfB-Zeit gewann er mit dem FC Schalke 04 noch einmal den Pokal, ehe er seine Karriere 2001 verletzungsbedingt beenden musste. Beim VfB war Ende 1999 Schluss gewesen, nach einem rassistischen Vorfall hatte ihm der Club gekündigt. Legat war nach seiner Laufbahn noch als Trainer tätig. Seit einigen Jahren ist er aber vor allem durch die Teilnahme an verschiedenen Reality-TV-Produktionen bekannt.
Gerhard Poschner
Der Mittelfeldspieler kam schon als Jugendlicher zum VfB, spielte dann aber vier Jahre für Borussia Dortmund. 1994 kehrte er zurück und blieb bis 1998. Danach spielte er noch für den AC Venedig, Ryo Vallecano, Rapid Wien, Polideportivo Ejido und den TSV 1860 München. Bei Real Saragossa und bei den Löwen war er als Funktionär aktiv, davor und danach als Spielerberater.
Zvonimir Soldo
Der spätere Kapitän des VfB war 1996 von Croatia Zagreb zum VfB gekommen und spielte bis zu seinem Karriereende 2006 für die Stuttgarter. Als Trainer war er später unter anderem für den 1. FC Köln und an der Seite von Felix Magath in China tätig.
Matthias Hagner
Der Mittelfeldspieler war 1996 von Eintracht Frankfurt zum VfB gekommen und holte damit gleich in der ersten Saison mit den Stuttgartern den Pokal. Hagner blieb zwei Jahre, wechselte 1998 zu Borussia Mönchengladbach. Zwischen 2001 und 2010 spielte er dann für die SpVgg Greuther Fürth, den FSV Frankfurt, den 1. FC Saarbrücken und Eintracht Wetzlar. Danach war er im Amateurbereich als Trainer tätig. Heute arbeitet er in seinem erlernten Beruf. Hagner hat Psychologie studiert.
Krassimir Balakov
Der Bulgare war 1995 von Sporting Lissabon zum VfB gekommen. In der Saison 1996/1997 bildete er zusammen mit Fredi Bobic und Giovane Elber das magische Dreieck, das die Bundesliga begeisterte. Der Pokalsieg war sein zweiter nach dem Triumph im portugiesischen Cup-Wettbewerb 1994. Balakov blieb bis 2003 Spieler beim VfB, wurde dann Co-Trainer und Repräsentant des Vereins. 2005 verließ er Stuttgart und hatte in der Folge zahlreiche Engagements als Trainer, zuletzt bei ZSKA Sofia. Erst kürzlich stand er mit einer Legendenelf des VfB beim Beckenbauer-Cup in München auf dem Feld.


Giovane Elber
Der Brasilianer war 1994 vom Grasshopper Club Zürich zum VfB gekommen. Gemeinsam mit Fredi Bobic und Krassimir Balakov bildete er später das magische Dreieck, da das Trio treffsicher und teils spektakulär agierte. Im Pokalfinale 1997 war Elber der entscheidende Mann, er erzielte beim 2:0Erfolg gegen Energie Cottbus beide Treffer. Schon 1994 hatte er in der Schweiz den Cupwettbewerb gewonnen. Nach dem Pokalsieg verließ er Stuttgart und wechselte zum FC Bayern. In München blieb der Stürmer bis 2003, gewann mit den Bayern unter anderem die Champions League, den Weltpokal, viermal die Meisterschaft und dreimal den Pokal. Auch mit Olympique Lyon holte er die Meisterschaft, ehe er in die Bundesliga zurückkehrte. Das Engagement bei Borussia Mönchengladbach war unglücklich, Elber ging nach Brasilien zu Cruzeiro Belo Horizonte, im November 2006 beendete er seine Karriere. Heute ist er Repräsentant des FC Bayern und betreibt eine Viehzucht in Brasilien.
Fredi Bobic
Der Stürmer hatte bereits in der Jugend für den VfB gespielt, wechselte 1994 aber von den Stuttgarter Kickers zum VfB. Er blieb als Spieler bis 1999 und hatte seine beste Zeit gemeinsam mit Giovane Elber und Krassimir Balakov - das magische Dreieck. Nach seinen Stuttgarter Jahren spielte Bobic für Borussia Dortmund, die Bolton Wanderers, Hannover 96, Hertha BSC und HNK Rijeka (hier wurde er kroatischer Pokalsieger). 2006 beendete der Europameister von 1996 seine Karriere. Nach einer ersten Tätigkeit als Geschäftsführer bei Tschernomorez Burgas wurde Bobic 2010 Sportdirektor des VfB als Nachfolger von Horst Heldt. Später stieg er zum Sportvorstand auf, ehe sich 2014 die Wege trennten. Im Sommer 2016 wurde er Vorstand Sport bei Eintracht Frankfurt, 2018 gewann der Club den DFB-Pokal. 2021 stieger bei Hertha BSC ein, im Januar 2023 kam es zu einer unrühmlichen Trennung, der ein Rechtsstreit folgte. Seit April diesen Jahres ist Bobic Sportchef beim polnischen Erstligisten Legia Warschau.
Thomas Schneider
Der Abwehrspieler ist ein echtes Eigengewächs des VfB und gehörte von 1991 an mit Unterbrechungen dem Profikader der Stuttgarter an. Im Pokalfinale 1997 wurde er in der 71. Minute für Matthias Hagner eingewechselt. 2003 wechselte Schneider zu Hannover 96, musste seine Karriere aber krankheitsbedingt vorzeitig beenden. Er startete eine Trainerkarriere und kehrte 2011 in den Nachwuchsbereich des VfB zurück. Ende August 2013 wurde er als Nachfolger von Bruno Labbadia Chefcoach des VfB, wurde wenige Monate später aber entlassen. Joachim Löw, einst Schneiders Coach in Stuttgart, holte ihn dann als Co-Trainer zur deutschen Nationalmannschaft, für die er danach auch als Scout arbeitete. Unter Domenico Tedesco war Schneider später Co-Trainer der belgischen Nationalmannschaft.
Radoslav Gilewicz
Der Pole war 1995 vom FC St. Gallen zum VfB gekommen und wurde im Pokalfinale in der 81. Minute für Fredi Bobic eingewechselt. Danach wechselte er für eine Saison zum Karlsruher SC, ehe er seine Karriere in Österreich fortsetzte. Dort spielte er für den FC Tirol Innsbruck, Austria Wien und den SV Pasching. Insgesamt holte der Stürmer in Österreich vier Meisterschaften und zwei Pokalsiege. Seine Laufbahn endete nach seiner Zeit bei Polonia Warschau 2009.
Danny Schwarz
Der Mann aus Göppingen war 1995 vom 1. FC Eislingen zum VfB gekommen. Im Pokalfinale wurde er in der 90. Minute für Giovane Elber eingewechselt. Seine VfB-Zeit endete 1998, danach spielte er für den Karlsruher SC, die SpVgg Unterhaching, den TSV 1860 München und den FC Bayern II. 2012 beendete er seine Spieler-Laufbahn und begann seine Trainerkarriere beim Bayern-Nachwuchs. 2021 wechselte er als Chefcoach zu den Würzburger Kickers, 2023 zum FC Homburg. Ende 2024 folgte die Trennung.
Joachim Löw
Der spätere Weltmeistertrainer war schon als Spieler beim VfB aktiv gewesen: in der Saison 1980/1981 feierte er bei den Stuttgartern sein Bundesligadebüt. Danach spielte er für Eintracht Frankfurt, den SC Freiburg, den Karlsruher SC, den FC Schaffhausen, den FC Winterthur und den FC Frauenfeld. Als Co-Trainer von Rolf Fringer kehrte Löw 1995 zum VfB zurück und wurde im August 1996 dessen Nachfolger. Löw wurde vom Interims zum Cheftrainer, holte den DFB-Pokal und führte den Club ins Finale des Europapokals der Pokalsieger (0:1 gegen den FC Chelsea).
Im Sommer 1998 musste er dennoch gehen und wurde durch Winfried Schäfer ersetzt. Löw coachte danach Fenerbahce Istanbul, den Karlsruher SC, Adanaspor, den FC Tirol und Austria Wien. 2004 holte ihn Jürgen Klinsmann als Co-Trainer zur deutschen Nationalmannschaft. 2006 beerbte er den Teamchef und wurde Bundestrainer. Absoluter Höhepunkt seiner Laufbahn: der WM-Titel 2014.2021 endete die Zeit als Bundestrainer. Heute ist Löw unter anderem Kuratoriumsmitglied der VfB-Stiftung.