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Bauen & Wohnen

Förderung. Um auch private Immobilienbesitzer zu einer Sanierung zu ermutigen, hat das baden-württembergische Umweltministerium in Zusammenarbeit mit der L-Bank ein neues Förderprogramm aufgelegt. Der Schlüssel liegt im Bestand

Klimaschutz ist eine der zentralen Herausforderungen für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz bilden eine der Schlüsselfunktionen zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes.

                
L-Bank

Der deutsche Wohnungsbestand ist im Durchschnitt überaltert und höchst ineffizient. Um die Situation zu ändern, gibt es für energetische Modernisierungen an Haus und Wohnung Zuschüsse von Bund, Land, Gemeinde oder vom Energieversorger. Nun hat das baden-württembergische Umweltministerium in Zusammenarbeit mit der L- Bank ein neues Förderprogramm mit dem Titel „Energieeffizienzfinanzierung – Sanieren“ aufgelegt. Mit den Mitteln des Landes wird die bestehende KfW-Förderung des Bundes für Sanierungen auf ambitionierte Effizienzstandards (KfW 55 und KfW 70) aufgestockt. Damit ist für die Sanierung auf den KfW-Effizienzhausstandard 55 ein Tilgungszuschuss von bis zu 42,5 Prozent möglich. Dabei legt das Land auf die 40 Prozent Tilgungszuschuss noch mal 2,5 Prozent obendrauf. Das Förderprogramm hat eine Laufzeit bis Ende 2021 und wird über die L- Bank abgewickelt. „Der Klimaschutz ist eine der zentralen Herausforderungen, nach denen wir unser Handeln ausrichten sollten“, sagt dazu die Vorsitzende des Vorstands der L-Bank, Edith Weymayr. Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz könnten dabei einen wesentlichen Beitrag leisten. Hierzu besitzt insbesondere die Sanierung von Wohnimmobilien ein großes Potenzial.

Mit dem Programm „Energieeffizienzfinanzierung – Sanieren“ wolle man mit passenden Finanzierungsangeboten die Bürgerinnen und Bürger in Baden-Württemberg dabei unterstützen, besonders effiziente energetische Sanierungsvorhaben anzugehen und das Land Stück für Stück voran- zubringen. „Dabei setzen wir auf unser bewährtes Konzept, Bundes- und Landesförderung in einem transparenten und wirkungsvollen Förderprodukt zu bündeln“, sagt Weymayr. Um nun zu erreichen, dass Deutschland nach dem Klimaplan der Bundesregierung vom Jahr 2050 an weitgehend CO2-neutral sein soll, gilt es, an den bestehenden Gebäuden anzusetzen. „Schließlich zählen Immobilien zu den größten CO2-Verursachern in Deutschland und spielen deshalb eine Schlüsselrolle zum Erreichen der Klimaziele“, erläutert Reinhard Klein, Vorstandschef der Bausparkasse Schwäbisch Hall.

PASSENDE FINANZIERUNGSANGEBOTE

Denn sieben von zehn Wohnungen sind älter als 40 Jahre und verbrauchen bis zu fünfmal mehr Energie als Neubauten. „Der Hebel für die Klimawende liegt also im Bestand – in den Millionen bereits vorhandener Wohnimmobilien“, macht Klein klar. Hier müsse man anpacken, wenn die Klimawende gelingen soll. Dabei gibt es für ihn grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Erstens, CO2 reduzieren. Das gelingt durch Sanierungsmaßnahmen, die helfen, Heizenergie einzusparen: Also, Außenhülle dämmen, Dreifachverglasung, Heizungsunterstützung durch Solarthermie. Zweitens, CO2 substituieren, also ersetzen. „Dafür müssen fossile Energieträger wie Öl oder Gas ausgetauscht und moderne Heizanlagen mit erneuerbaren Energieträgern eingebaut werden“, sagt Klein.

„Die Sanierungsquote im Gebäudebestand müsste sich dringend verdoppeln, besser noch verdreifachen“, rechnet Klein vor. Klar sei aber auch: Es wird teuer. Je nach Szenario bewegen sich die entstehenden Mehrinvestitionen in einer Bandbreite von rund 500 bis mehr als 1000 Milliarden Euro bis 2050 im Gebäudesektor insgesamt. Mit dem Klimapaket der Bundesregierung stehen seit 2020 neue Förderinstrumente bereit, die Immobilienbesitzern das Sanieren schmackhaft machen sollen. Und es zeigt sich, wie Klein sagt, dass die Förderinstrumente wirken. Nach Erkenntnissen der Bausparkasse haben sechs von zehn Immobilienbesitzern angesichts der aktuellen Förderung die Absicht, Maßnahmen zur Verbesserung der Klimabilanz durchzuführen. Vor allem die sogenannte Abwrackprämie für alte Ölheizungen stößt auf Interesse. In der Tat liegt in der Heizung der mit Abstand größte Hebel für Privatpersonen, wenn es um das Einsparen von CO2 geht. Laut Bundesumweltamt kann ein Vier-Personen-Haushalt in einem Einfamilienhaus bis zu zehn Tonnen CO2 jährlich sparen, wenn er die alte Ölheizung durch eine CO2-neutrale Heiztechnik ersetzt und zum Beispiel eine Wärmepumpe mit Ökostrom installiert.

Der Weg von Bundes- und Landesregierung – mit einer attraktiven Förderung einerseits und dem Einstieg in die CO2-Bepreisung ab nächstem Jahr andererseits – sei also richtig, sagt Klein. „Wer jetzt handelt, profitiert von einer sehr attraktiven Förderung. Wer abwartet, zahlt einen zunehmend höheren Energiepreis.“ Schwäbisch-Hall-Kunden sparen laut Klein pro Jahr mehr als eine halbe Million Tonnen CO2 durch die Sanierung und den Bau effizienter Häuser ein – „das haben wir gemeinsam mit der Universität Stuttgart berechnet“, so Klein. Zum Vergleich: Das ist so viel CO2 wie die 55 000 Einwohner von Baden-Baden pro Jahr ausstoßen. Thomas Spengler


Flexibel und staatlich gefördert

Wohnungsbau. Bausparverträge sind immer noch das ideale Finanzierungsinstrument.

Dass zukunftssichere Modernisierungsmaßnahmen im Wohnbereich auch ihren Preis haben, will Bernd Hertweck, Vorstandschef der Wüstenrot Bausparkasse AG, gar nicht infrage stellen. Beispielsweise muss man, je nach Größenordnung, für eine Solarwärmeanlage mit 15 000 Euro oder für den Dachausbau mit 25 000 Euro rechnen. „Dafür sind Bausparverträge das ideale Finanzierungsinstrument, auch weil die bestehende Förderung von staatlicher Seite, beispielsweise über die Wohnungsbauprämie, ,WoP‘, zahlreiche Interessenten bei ihren Modernisierungsvorhaben tatkräftig unterstützt“, erläutert Hertweck.

HÖHERE EINKOMMENSGRENZEN

Bekanntlich wird die WoP ab 1. Januar 2021 durch Anhebung der Einkommensgrenzen und Anpassung der Förderhöhe noch attraktiver, was für Pluspunkte zugunsten des Bausparvertrags sorgt. So dürfen Alleinstehende vom kommenden Jahr an ein zu versteuerndes Einkommen von jährlich maximal 35 000 Euro haben, Verheiratete beziehungsweise eingetragene Lebenspartner gemeinsam maximal 70 000 Euro, um die WoP beantragen zu können. Der staatliche Fördersatz erhöht sich gleichzeitig auf zehn Prozent für bis zu 700 Euro jährliche Sparleistung beziehungsweise bis zu 1400 Euro bei Paaren. Das heißt, für Alleinstehende gibt’s jährlich 70 Euro, für Paare 140 Euro vom Staat obendrauf. Durch die Erhöhung der Einkommensgrenzen kommen wesentlich mehr Menschen als bisher in den Genuss der Wohnungsbauprämie. Auf diese Weise steigt allein in Baden-Württemberg der Anteil der prämienberechtigten Menschen von aktuell 5,2 auf 9,4 Millionen. Und das macht immerhin 55 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahren aus. Die Auszahlung der Wohnungsbauprämie erfolgt zeitgleich mit dem Bausparvertrag. Der genaue Zeitpunkt hängt allerdings davon ab, wann der Vertrag abgeschlossen wurde. Für Bausparverträge, die ab dem 1. Januar 2009 aufgenommen wurden, erfolgt die Auszahlung der Wohnungsbauprämie nur, wenn das Geld für wohnwirtschaftliche Zwecke genutzt wird.

Jedenfalls spricht die WoP in den Augen von Hertweck zusätzlich für den Abschluss eines Bausparvertrags. „Denn dieser ist zudem seiner Verwendungsmöglichkeit nach grundsätzlich sehr flexibel einsetzbar und bietet den bei Abschluss garantierten Niedrigzins für das Darlehen“, sagt der Wüstenrot-Chef. Dieser Aspekt sei von besonderem Belang, denn für Kleindarlehen in der Größenordnung von bis zu 50 000 Euro gebe es beispielsweise von Banken in der Regel kaum günstige Finanzierungsangebote. Darüber hinaus sind beim Bausparen in der Darlehensphase jederzeit Sondertilgungen bis hin zur Kompletttilgung möglich. spe