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Finanzen

Alternative Investments. Historische Fahrzeuge zwischen Investment und Liebhaberei, Nebenkosten sind nicht zu unterschätzen Der Markt für Oldtimer zeigt Bremsspuren

Wenn von Sachanlagen die Rede ist, kommen den meisten Menschen Immobilien oder Aktien in den Sinn. Doch zu dieser Anlagekategorie zählen auch alternative Investments wie Oldtimer oder Kunst, die angesichts des anhaltenden „Anlagenotstands“ durch die herrschende Niedrigzinsphase lange auf teilweise große Nachfrage gestoßen sind. Wer sich eine solche „rollende Rendite“ zulegt, die Oldtimer-Autos bisher versprochen haben, und damit sein Portfolio breiter aufstellt, kann schließlich zur Streuung seines Risikos beitragen.

Seit Jahren als Oldtimer ganz hoch in der Gunst der Käufer – VW Käfer und Porsche 911. Foto: dpa
Bethmann Bank

Meistens spielt bei Kapitalanlagen in Oldtimer auch eine gehörige Portion an Leidenschaft und Emotionen mit eine Rolle. Denn neben dem puren Kalkül ist bei einem solchen Engagement oft viel Liebhaberei im Spiel. Und ganz nebenbei muss man sich diesen Spaß auch leisten können. Als Wertanlage rechnet sich ein Oldtimer laut Südwestbank ohnehin erst ab 100 000 Euro. Doch seit zwei, drei Jahren scheint der Oldtimer-Boom an seine preislichen Grenzen zu stoßen. So sind in den vergangenen zwei bis drei Jahren am Markt für „Chromjuwelen“ Bremsspuren auf der Nachfrageseite zu erkennen, die für rückläufige Preise im unteren einstelligen Prozentbereich sorgen. Das zeigt ein Blick auf den Oldtimerindex (OTX) der Südwestbank, der eher einer Indikation gleicht, als einen echten Index darstellt.  

„Der Markt befindet sich in einer gesunden Konsolidierungsphase“, sagt Jens Berner, Oldtimer-Experte der Südwestbank. Bei der Wertentwicklung handelt es sich um Durchschnittswerte. Schließlich sind im Einzelfall immer der Zustand und Besonderheiten sowie das Verhältnis von Angebot und Nachfrage für den Preis entscheidend. Mit Blick auf die Rendite kommt hinzu, dass man bei einem Oldtimer zwar auf Preissteigerungen spekulieren kann. Laufende Erträge aber werden nicht erwirtschaftet.

Während der Preisaufschwung ins Stottern geraten ist, hat es in den Vorjahren teils exorbitante Preissteigerungen gegeben. So legte der legendäre Mercedes 300 SL Flügeltürer (gebaut von 1954 bis 1963) von 2005 bis 2020 um 360 Prozent auf 966 000 Euro an Wert zu. Der Preis für einen BMW 507 (1956 bis 1959) schoss in dieser Zeit gar um 813 Prozent auf 1 725 000 Euro in die Höhe. Folgt man der Südwestbank, die dazu rät, der Wertanteil eines Oldtimers sollte nicht mehr als zehn Prozent des Vermögens ausmachen, wird klar, dass kein Massenmarkt angesprochen wird.

BEZAHLBARE OLDIES

Und doch gibt es historische Fahrzeuge, die auch für mittlere Geldbeutel erschwinglich sein mögen. Dazu zählen die BMW Isetta 250 (1955 bis 1962) für 14 800 Euro oder der Opel Manta B GT/E (1975 bis 1977) für 8650 Euro, denen der OTX in den vergangenen 15 Jahren eine Performance von rund 200 beziehungsweise gut 280 Prozent attestiert. Der Deutschen liebster Oldtimer aber bleibt mit 40 000 Zulassungen der VW-Käfer, der als Limousine, je nach Modell und Baujahr, für 7000 bis über 40 000 Euro zu haben ist. Nach dem VW Käfer mit H-Kennzeichen nimmt der Mercedes-Benz W123 mit nunmehr 21 929 Fahrzeugen den zweiten Rang ein. Auf Platz drei folgt der Mercedes-Benz R107. Auf den weiteren Plätzen folgen der Porsche 911 (Platz vier), Mercedes-Benz W124 (Platz fünf) und der Mercedes-Benz Strich 8 (Platz sechs). Platz sieben nimmt mit den Modellen T3 und T4 (Transporter, „Bulli“) erneut Volkswagen ein, gefolgt vom BMW 3er auf Platz acht. Insgesamt tragen laut dem Verband der Automobilindustrie (VDA) 526 000 Pkw in Deutschland das H-Kennzeichen – elf Prozent mehr als im Vorjahr. Das „H“ am Ende des Kennzeichens dürfen Autos führen, die mindestens 30 Jahre auf dem Buckel haben. Gleichzeitig kann es dafür Vorteile bei der Versicherung und einer pauschalen Kfz-Steuer von 191,73 Euro geben.

Nicht zu vernachlässigen ist, dass man für Unterhalt und Pflege in der Regel mehr Aufwand einzukalkulieren ist als für zeitgenössische Fahrzeuge. Schließlich muss man mit bis zu vier Prozent des Kaufpreises an jährlichen Nebenkosten rechnen. Diese umfassen Wertgutachten, jährliche Steuern, Versicherung, Garagenmiete, Wartung und Reparaturen. „Sind diese Faktoren geklärt, kann ein Oldtimer eine gute alternative Anlagemöglichkeit in der Niedrigzinsphase sein“, so Jens Berner. Dagegen spricht der große Spritverbrauch mit entsprechend hohen Emissionen gegen einen Oldtimer. Außerdem ist es ein gewisser Anachronismus, wenn ausgerechnet die Oldies ohne Umweltplakette innerhalb der Umweltzonen in deutschen Städten fahren dürfen. Offen ist die Frage, wie sich der demografische Wandel und die damit verbundene Vererbung von Vermögen in den kommenden Jahren auswirkt. Die Liebhaber der historischen Fahrzeuge sind durchschnittlich über 60 Jahre alt. Sollte die jüngere Generation dazu neigen, ihre geerbten Oldtimer eher zu verkaufen, als selbst zu nutzen, könnte dies die Preise an einem derzeit engen Markt weiter nachgeben lassen, schätzt Berner. Hinzu kommt, dass sich im Hochpreissegment die Nachfrage aus Asien und Osteuropa abgekühlt hat. Als teuerstes Auto der Welt gilt übrigens weiter der Ferrari 250 GTO, der nur 39-mal gebaut wurde und 2018 von Sotheby’s für 48,4 Millionen Dollar unter den Hammer kam. Der einstige Kaufpreis lag 1962 bei 18 000 Dollar. Das ergibt über all die Jahre eine Rendite von mehr als 2500 Prozent. Thomas Spengler


Wie ein Zwitter

Tipp. Genussscheine versprechen überdurchschnittliche Verzinsung. Entsprechend sind die Risiken.

Geld anlegen mit Genuss? Klingt wunderbar, doch die Anlageform, die dies suggeriert, hat es in sich. Sogenannte Genussscheine stellen eine eigene, nicht regulierte Wertpapierform dar, die eine Art Zwitter aus Aktien und Anleihen bildet. Wie bei anderen Wertpapieren auch werden sie von Unternehmen herausgegeben, die sich so Geld von Anlegern leihen, ohne diese allerdings direkt an der Gesellschaft zu beteiligen. „Die Ausgestaltung von Genussscheinen ist kaum reguliert, die Gestaltungsspielräume der emittierenden Unternehmen also groß“, sagt dazu Hermann-Josef Tenhagen von der Verbraucherplattform Finanztip, der die Papiere aus diesem Grund dem grauen Kapitalmarkt zuordnet.

KEIN MITSPRACHERECHT

Anleger erwerben sich mit dem Genussschein für eine Laufzeit von meist drei bis zehn Jahren eine Art stille Beteiligung am Gewinn oder an den Erträgen aus einem bestimmten Projekt wie etwa einem Windpark. Einst hatte die damalige Audi NSU Auto Union in Neckarsulm für ihren avantgardistischen Wankelmotor 1969 Genussscheine begeben, über die Anleger von den Erträgen aus den Wankel-Lizenzen profitieren konnten.

Anders als bei einer Aktie haben die Halter von Genussscheinen nur ein reines Gläubigerrecht, aber kein Mitspracherecht bei gesellschaftsrechtlichen Entscheidungen, weshalb „Genüsse“ den im Ausland vorkommenden stimmrechtslosen Vorzugsaktien gleichkommen. Grundsätzlich sichert das Unternehmen dem Anleger eine jährliche Verzinsung seines eingesetzten Kapitals zu, ebenso die Rückzahlung des Anlagebetrags zum Nennwert am Laufzeitende.

Die Höhe der nicht garantierten Verzinsung hängt aber, wie die Dividende einer Aktie, vom Jahresgewinn des emittierenden Unternehmens ab. Bei einem Bilanzverlust kann der Emittent die Ausschüttung aussetzen oder sogar den Rückzahlungsanspruch verringern. Im Gegenzug sind mit Genussscheinen Renditen möglich, die über dem allgemeinen Zinsniveau liegen. Das wird am Beispiel eines Genussscheins der Bertelsmann AG (WKN: 522990) klar, bei dem der Gewinnanteil 15 Prozent beträgt, wenn die Gesamtkapitalrendite zwischen zwölf und 16 Prozent pendelt. Liegt die Gesamtkapitalrendite darüber oder darunter, wird der Gewinnanteil für den Genussschein angepasst. Immerhin können, wie im Fall Bertelsmann, Fehlbeträge in einem Jahr den Gewinnanspruch des Folgejahres erhöhen. Sehen lassen kann sich auch der Gewinnanteil eines Genussscheins der Drägerwerk AG (WKN: 555067), für den es das Zehnfache der Jahresdividende der Aktie gibt, wenn es gut läuft.

Die Ausschüttung kann fest vereinbar oder variabel sein und neben der Verzinsung eine Beteiligung am Unternehmensgewinn vorsehen. Die Verzinsung erfolgt meist nicht über eine Auszahlung, sondern über einen Aufschlag auf den Kurs der Papiere. Das größte Risiko, das ein Anleger eingeht, ist der Umstand, dass diese Anlage nur nachrangig besichert ist. Das heißt, die Verbindlichkeiten werden im Fall einer Insolvenz des Emittenten erst nach den Forderungen der anderen Fremdkapitalgläubiger bedient. „Ein Totalausfall der Investments ist deshalb möglich“, macht Tenhagen klar. Sofern Genussscheine an der Börse gehandelt werden, können sie auch börsentäglich veräußert werden. spe
                       

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