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Fachgeschäfte

Meisterprüfer. Viele Berufsbilder ändern sich rasant – zum Beispiel der Zimmerer. Martin Rost war fast 25 Jahre im Meisterprüfungsausschuss und hat den Wandel mitgeprägt. Der Computer gehört heute zum Handwerkszeug

Früher mussten Zimmerleute viel und gut rechnen können, heute müssen sie auch Maschinen bedienen können. Wie in vielen anderen Handwerksberufen hat auch bei den Zimmerleuten die Digitalisierung Einzug gehalten und sich das Berufsbild sehr verändert. Davon erzählt Martin Rost, der fast 25 Jahre im Meisterprüfungsausschuss der Handwerkskammer Region Stuttgart war und sein Ehrenamt dieses Jahr abgegeben hat, damit ein Jüngerer nachrückt.

Martin Rost war fast 25 Jahre im Meisterprüfungsausschuss und hat sein Amt dieses Jahr abgegeben. Foto: privat
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1996 wurde Rost vom damaligen Obermeister vorgeschlagen. „Damals war das eine Ehre“, sagt Rost. Er war mit 41 Jahren der Jüngste im Gremium und wurde vorgewarnt, dass er für das Fach Statische Berechnung zuständig werden würde. Dafür hatte er optimale Voraussetzungen, denn nach der Zimmermannslehre hatte er Bauingenieurwesen studiert und einen eigenen Betrieb gegründet. „Ende der 90er Jahre habe ich gemerkt, dass ein großer Wandel stattfindet, dass sich das Berufsbild stark verändert“, sagt Rost. Früher mussten Zimmerleute Dachstühle konstruieren und Treppen bauen können. „Da haben sich manche in die tollsten Konstruktionen vertieft.“

Zimmerleute seien beim Bau der Dachstühle eher Zulieferer gewesen, das Fertighaus fristete noch ein Nischendasein. Aber im Laufe der Zeit seien Bauphysik, Energieeffizienz und Umweltschutz immer wichtigere Themen geworden. Holz ist ein großer CO2-Speicher und die Holzbauweise liegt im Trend.

TRADITIONELLES ARBEITEN WEITERHIN WICHTIG

Bei der Dämmung wurden neue Normen gesetzt. „Die hochgedämmte Bauweise stellt hohe bauphysikalische Anforderungen“, sagt Rost. Dem muss das Berufsbild Rechnung tragen. Zudem kam die Digitalisierung. Konstruktionen werden nicht mehr von Hand gezeichnet, dafür gibt es Programme. Ebenso für Holzzuschnitte. „Das geht heute vollautomatisch“, erläutert Rost. „Zimmerleute müssen Maschinen bedienen können.“ Damit waren die Berufsschulen konfrontiert und ebenso der Meisterprüfungsausschuss. „Das hat manchen altgedienten Meister vor neue Herausforderungen gestellt“, erzählt Rost. „Da war die Steinbeisschule sehr wichtig“, lobt er. Sie hätte gute Lehrer und er habe selbst auch viel gelernt. Dennoch hält Rost es für wichtig, dass das manuelle Berechnen noch gelehrt werde und die Prüflinge Berechnungsverfahren kennen. Ebenso unabdingbar sei das traditionelle handwerkliche Arbeiten für bestehende Häuser und zum Erhalt historischer Fachwerkhäuser.

Auch seine Arbeit als Prüfer habe sich gewandelt, schildert Rost. Früher habe jede Handwerkskammer die Aufgaben für die Meisterprüfung selbst gestellt. Das wurde vereinheitlicht, für die Prüflinge aller Handwerkskammern in Baden-Württemberg gibt es nun die gleichen Aufgaben. In seinem Fach müssen die angehenden Meister eine dreistündige schriftliche Prüfung ablegen. „Bei 24 bis 25 Prüflingen ist die Korrektur schon ein Zeitaufwand, vor allem am Wochenende, neben dem Betrieb“, sagt Rost, der in seiner Holzbaufirma in Asperg bis zu sieben Mitarbeiter hatte und im Laufe der Zeit einige junge Leute ausgebildet hat, darunter auch zwei Frauen. „Zimmerer ist ein attraktiver Beruf“, wirbt Rost und er bietet große Entwicklungsmöglichkeiten. Als Beispiele nennt er zwei seiner ehemaligen Azubis, die mit einem Realschulabschluss begonnen hätten und mittlerweile auf unterschiedlichen Wegen Bauingenieure geworden seien. Die Meisterprüfung ist übrigens mit dem Bachelorabschluss einer Hochschule gleichgestellt. Dagmar Engel-Platz
                         

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