Nach einem erfolgreichen Vorjahr verzeichnet das Handwerk in der Region Stuttgart 2025 einen leichten Rückgang bei den neuen Ausbildungsverträgen. Warum sich künftig noch mehr Jugendliche für einen Handwerksberuf entscheiden sollten und wie die Handwerkskammer das gezielt fördert, erläutert Peter Friedrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart bei der Jahrespressekonferenz vor Kurzem in Stuttgart.
3993 Jugendliche haben sich 2025 für eine Ausbildung im Handwerk entschieden - das sind 70 weniger als im Vorjahr (Minus von 1,7 Prozent). „Wir kommen von einem hohen Niveau, aber der Rückgang zeigt, dass uns rückläufige Schülerzahlen und eine schwächelnde Wirtschaft vor Herausforderungen stellen“, erklärte Peter Friedrich. „Dennoch freuen wir uns, dass das Handwerk attraktiv bleibt - besonders für Abiturientinnen und Abiturienten.“
Bauhandwerke wieder beliebter
Die Zahl der Auszubildenden mit Abitur oder Fachhochschulreife ist deutlich gestiegen: 730 Neuverträge bedeuten ein Plus von 17,4 Prozent. „Unser Fokus auf die Berufsorientierung an Gymnasien trägt Früchte. Das Handwerk überzeugt mit Sinn, Sicherheit, guten Verdienst- und hervorragenden Aufstiegschancen“, betont der Kammerchef. Gleichzeitig ging die Anzahl der Azubis mit Hauptschulabschluss (-125) und Realschulabschluss (-57) zurück. Auch 2025 starten die meisten Azubis klassischerweise im Kfz-Handwerk (539), in der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (452) sowie der Elektrotechnik (423). Friseurinnen und Friseure verzeichneten mit 43 zusätzlichen Neuverträgen (insgesamt 332) den größten Zuwachs. Auch die Bau- und Ausbaugewerke entwickeln sich positiv: Mehr junge Menschen beginnen eine Ausbildung als Maurer/in (+8, 31), Straßenbauer/in (+10, 37), Beton- und Stahlbetonbauer/in (+5, 38) sowie Stuckateur/in (+19,76).
„Wir freuen uns, dass gerade in wichtigen Bauberufen der Nachwuchs wieder wächst. Dort ist der Fachkräftebedarf besonders hoch und Ausbildung ist unser stärkstes Mittel gegen den Mangel“, sagt Friedrich. Besonders erfreulich: Immer mehr junge Frauen finden ihren Weg ins Handwerk - ihre Zahl stieg leicht auf 845, das sind neun mehr als im Vorjahr. Damit kein Talent verloren geht und Ausbildungsplätze gezielter besetzt werden können, setzt die Handwerkskammer auf das Konzept der „Passgenauen Besetzung“, gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.
Eine Ansprechpartnerin der Kammer unterstützt Handwerksbetriebe aus der Region individuell bei der Suche nach geeigneten Nachwuchskräften. Sie vermittelt auch Praktika an interessierte Jugendliche und hilft den Betrieben langfristig dabei, ihr Nachwuchs-Мarketing zu verstärken. „Unser Ziel ist es, das perfekte Match von Ausbildungsbetrieb und Jugendlichen zusammenzubringen und damit aktiv zur Fachkräftesicherung beizutragen“, so Peter Friedrich.
Moderne Berufsorientierung
Noch immer wissen viele Jugendliche zu wenig über die Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten im Handwerk. „Das Handwerk bietet viel mehr Karriereperspektiven als oft angenommen: von Spezialisierungen über Meisterfortbildungen bis zu Management, Unternehmertum oder internationalen Projekten“, stellt der Kammerchef klar.
Deshalb baut die Handwerkskammer ihre Angebote zur Berufsorientierung konsequent aus. Moderne Veranstaltungsformate wie die „Lange Nacht der Ausbildung“, die dieses Jahr Mitte Januar stattgefunden hat, in Kooperation mit der Agentur für Arbeit Stuttgart und der IHK Region Stuttgart, schaffen praxisnahe Orientierung und bieten Ausbildungsinteressierten direkte Kontakte zu Betrieben. Neue digitale Angebote und VR-Brillen machen bei Messeauftritten und Schulbesuchen das Handwerk erlebbar. Mit dem Escape-Game „Aliens Among Us“ ging das Team Ausbildung im vergangenen Jahr neue Wege – mit Erfolg. Über 300 Schülerinnen und Schüler besuchten in einer Woche den Escape Room, in dem sie bei einer fiktiven Weltall-Mission unter der Crew von Handwerkerinnen und Handwerkern verschiedener Gewerke Aliens enttarnen müssen. „Die Resonanz war überwältigend, deshalb öffnen wir den Escape-Room in diesem Jahr zwei Wochen lang, um noch mehr jungen Menschen die verschiedenen Handwerksberufe spielerisch näherzubringen“, freut sich Peter Friedrich. Vom 27. April bis zum 8. Mai ist das Escape Game wieder in der Galerie AK2 am Olgaeck zu finden.
Appellan Schulen und Politik
Grundsätzlich muss Berufsorientierung an allen Schularten gleichrangig und ergebnisoffen stattfinden. „Die neue Verwaltungsvorschrift für die Berufliche Orientierung ab dem Schuljahr 2026/2027 setzt dafür einen wichtigen Rahmen, doch am Ende zählt das Engagement von Lehrkräften und Eltern“, betont Friedrich. „Handwerk ist krisensicher, innovativ und bietet jungen Menschen vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten - jetzt und in Zukunft.“ Die Kammer fordert die Politik auf, die Gleichwertigkeit der dualen und akademischen Ausbildung endlich konsequent umzusetzen und so allen Talenten die besten Startchancen zu bieten. red/hwk
Weitere Informationen findet man unter www.hwk-stuttgart.de/statistik
„Vater Staat“ unterstützt
Zuschüsse für den Fenstertausch nutzen: Bei Sanierungen können Eigentümer von Förderprogrammen profitieren.
Alte, undichte Fenster sind ein großer Energiefresser im Haus. Wer sie durch moderne Modelle ersetzt, kann nicht nur Heizkosten senken, sondern auch auf finanzielle Unterstützung vom Staat setzen.
Denn für den Fenstertausch gibt es bundesweite Förderprogramme, die Hauseigentümer erheblich entlasten können. Die wichtigsten Anlaufstellen sind das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).
Förderung im Rahmen der BEG-Programme
Unter dem Dach der „Bundesförderung für effiziente Gebäude“ (BEG) werden Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle unterstützt. Dazu gehört neben der Dämmung auch der Einbau neuer Fenster oder Außentüren. Zuständig für Zuschüsse ist das Bafa. Eigentümer können hier bis zu 15 Prozent der förderfähigen Kosten erstattet bekommen. Wer zusätzlich einen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) nutzt, erhält einen Bonus von fünf Prozent. Insgesamt sind also bis zu 20 Prozent Zuschuss möglich. Förderfähig sind Kosten bis 30 000 Euro pro Wohneinheit, mit iSFP sogar bis 60 000 Euro.
Damit ergibt sich ein maximaler Zuschuss von bis zu 12 000 Euro. Wichtig ist, dass Anträge stets vor Beginn der Arbeiten gestellt werden. Sobald ein Vertrag mit einem Handwerksunternehmen unterschrieben ist, gilt die Maßnahme als begonnen.
Technische Voraussetzungen
Eine wichtige Rolle für die Förderfähigkeit spielen die technischen Eigenschaften der neuen Fenster. Maßgeblich ist der sogenannte U-Wert, der den Wärmedurchgang beschreibt. Je niedriger er ist, desto besser sind die Dämmeigenschaften. Die Förderprogramme geben hier klare Grenzwerte vor, die unbedingt eingehalten werden müssen. Als förderfähige Produkte können unter anderem die Modelle der Artevo-Reihe von Rehau infrage kommen, wenn sie dem in der jeweiligen Förderrichtlinie vorgegebenen U-Wert entsprechen oder diesen sogar noch unterbieten. Online findet man aber auch noch weitere förderfähige Produkte.
Energieeinsparung garantiert
Lohnenswert ist eine Modernisierung in jedem Fall: Neben den staatlichen Hilfen profitieren die Hausbewohner auch langfristig von den energiesparenden Eigenschaften neuer Fenster. Verschiedene Unternehmen bieten Energiesparrechner bei Fenstern an. Man kann nämlich die möglichen Energieeinsparungen konkret anhand verschiedener Faktoren berechnen. Abschließend ist es gut zu wissen: Häufig ist es auch notwendig, einen Energieberater hinzuzuziehen, um Fördermittel überhaupt beantragen zu können. Dieser hilft bei der Antragstellung und Umsetzung.
Die Kosten für die Beratung können bei mehreren hundert Euro liegen, sie sind jedoch selbst auch förderfähig. Bis zu 50 Prozent werden etwa im Rahmen des BEG-Programms des Bafa übernommen. red/djd