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Finanzen

Wertpapiere. Corona hat die Anleger eher in Kauflaune versetzt. Allein die 51 baden-württembergischen Sparkassen meldeten zum ersten Halbjahr ein Plus von 50 Prozent beim Wertpapierumsatz ihrer Kunden. Corona lässt Anleger bei Aktien zugreifen

                
Volksbank Stuttgart eG

Dabei überstiegen die Wertpapierkäufe in Höhe von 6,9 Milliarden Euro die Verkäufe mit 5,4 Milliarden Euro deutlich. Gleichzeitig nahm die Zahl der Wertpapierdepots um 2,6 Prozent auf 930 000 zu. „Die Kunden haben Wertpapiere als langfristige Anlagen wieder stärker im Blick“, sagt dazu Sparkassenpräsident Peter Schneider.

Der überwiegende Teil der im zweiten Quartal neu angelegten Geldmittel der Deutschen in Höhe von 72 Milliarden Euro entfällt zwar noch immer auf Bargeld und Einlagen, doch floss bei den Privathaushalten mehr Geld in Aktien und Fonds als in den Quartalen zuvor. So investierten Privatanleger laut Bundesbank allein im zweiten Quartal 16 Milliarden Euro in Aktien und sonstige Beteiligungen sowie 13 Milliarden Euro in Fonds.

Die Ursache dieser Entwicklung verortet die Direktbank ING Deutschland in den starken Schwankungen am Kapitalmarkt. So haben die Kurseinbrüche im März vielen Verbrauchern eine Anlage in Aktien erst schmackhaft gemacht. Und man kann ihnen attestieren, dass sie damit bis dato alles richtig gemacht haben – sie sind am Tiefpunkt eingestiegen, als Aktien billig zu haben waren. Inzwischen haben die Kurse fast wieder das Rekordniveau vom Februar erreicht. So gesehen zeigt die neu erwachte Liebe mancher Anleger zu Aktien auch exemplarisch, wie Corona zu einem anderen Anlageverhalten führen kann. „Gerade Anleger mit größerem Vermögen wissen Direktinvestments in Aktien aufgrund ihrer Klarheit und Transparenz zu schätzen“, sagt dazu Klaus Rahn, Senior-Berater bei der Bethmann Bank Stuttgart. Mit einem internationalen Portfolio aus 40 bis 50 Einzelwerten sei eine breite, gut strukturierte Streuung über alle Branchen und alle Regionen hinweg sehr gut darstellbar, so Rahn.

Dabei fällt auf, dass die Anleger nur selten dem Zocken verfallen, sondern neben einem direkten Aktienengagement vielfach systematisch über Fondssparpläne versuchen, dem Niedrigzins zu trotzen. „Wertpapieranlagen wie Aktien und Investmentfonds bleiben essenzielle Depotbausteine, ohne die der Vermögenserhalt respektive -aufbau nahezu unmöglich wird“, erläutert Johannes Kube, Niederlassungsleiter Privatund Unternehmerkunden Commerzbank Stuttgart. Grundsätzlich sollte man in der Krise Ruhe bewahren und keine Panikverkäufe vornehmen. „Gerade wer mittel- bis langfristig orientiert ist, kann dann über Turbulenzen eher hinwegsehen“, so Kube. Und auch in Krisen gelte – wie grundsätzlich bei der Anlage in Wertpapieren – „breit streuen und global investieren“.

Die Corona-Krise als Trendverstärker hat nach Beobachtungen der LBBW Asset Management einige Branchen zu Gewinnern gemacht.

„Allerdings gibt es auch in den Branchen, die unter den Lockdown-Maßnahmen leiden, Unternehmen, die im Vergleich zu ihren Wettbewerbern besser abschneiden werden“, sagt ihr CIO und Co-Vorsitzender der Geschäftsführung, Frank Hagenstein. Entsprechend sollte bei der Anlage weiterhin auf eine globale Mischung gesetzt werden. Zudem bestätige die EU mit ihrem Wiederaufbaufonds, dass Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema bleibt. Eine attraktive Lösung könne nach wie vor auch das regelmäßige Sparen – selbst mit kleineren Summen – in Investmentfonds sein, um dadurch über einen längeren Zeitraum Vermögen aufzubauen.

Tatsächlich kam es während der Krise zu starken Zuwächsen bei Fondssparplänen, mit denen Anleger feste Raten im Monatsoder Quartalsrhythmus ansparen. In deren Höhe werden regelmäßig Anteile des ausgewählten ETFs oder Fonds aufgekauft – egal, was die Börse gerade macht. Je stärker die Börsen nachgeben, desto mehr Anteile kauft der Sparplan, bei steigenden Kursen sind es dagegen weniger Fondsanteile. Der Anleger muss sich also nicht permanent Gedanken über den richtigen Kaufzeitpunkt und die Höhe des Anlagebetrages machen. Ein Fondssparplan schaltet außerdem Emotionen wie Angst und Gier aus. Das Modell funktioniert mit aktiv gemanagten Aktienfonds ebenso wie mit passiv gemanagten ETFs (Exchange Traded Funds), die schlicht einen Börsenindex nachbilden.

Abhängig von den Konditionen der Bank kann ein Fondssparplan bereits mit einem Sparbetrag von 25 Euro im Monat bespart werden. Der Fondssparplan ist auf diese Weise dabei, zu einem Ankerprodukt der Finanzwirtschaft zu werden – so wie es früher das Sparbuch gewesen ist. Sicher, die Aussicht auf eine höhere Rendite ist auch an höhere Risiken gekoppelt. Letztere gleichen sich aber über die Zeit aus, weshalb man mit einem Anlagehorizont von zehn bis 15 Jahren rechnen sollte. Thomas Spengler


Finanzmärkte reagieren auf Impfstoff

Gute Nachrichten. Der Durchbruch beim Corona-Impfstoff beflügelt die Kapitalmärkte.

Natürlich kann der Aktienmarkt als Ganzes zu den Gewinnern der neuen Situation gezählt werden. Erst recht aber schossen die Aktien von Biontech und Pfizer nach oben, die dem Corona-Impfstoff so dicht auf der Spur sind. Auch die Aktien von Touristikkonzernen und Airlines machten Freudensprünge, allein die Lufthansa legte mal kurz um 20 Prozent zu. Dagegen erlebte Dax-Mitglied Delivery Hero als bisheriger Lockdown- Profiteur, wie schnell sich die Stimmung gegen einen wenden kann. Ohnehin haben im europäischen Aktienmarkt Gesundheitsaktien stark an Bedeutung gewonnen. Analysten prognostizieren dem Sektor für die Zeit bis 2022 ein durchschnittliches jährliches Gewinnwachstum von acht Prozent gegenüber dem Vorkrisenniveau. Für den Gesamtmarkt liegt die Prognose bei nur drei Prozent. „Trotz der robusten Gewinnentwicklung sind Gesundheitstitel derzeit außergewöhnlich günstig bewertet“, sagt dazu

Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank. Unterm Strich hat die Hoffnung auf eine baldige Zulassung eines Impfstoffs gegen Covid-19 speziell Aktien von Unternehmen Auftrieb verschafft, die besonders unter den Auswirkungen der Pandemie leiden. Am deutlichsten waren die Zuwächse bei Hotelaktien. Die von der Deutschen Bank analysierten Titel der Branche legten seit Anfang November zwischen 31 und 56 Prozent zu. „Sobald die Impfungen erfolgreich angelaufen sind, dürfte sich der Tourismus erholen und es dürften wieder bessere Zeiten für die Hotelbranche anbrechen“, sagt Stephan. Vor diesem Hintergrund sind es besonders die Zykliker unter den Aktien wie Industrie, Chemie, Technologie oder Medizintechnik, denen die Deutsche Bank beste Kurschancen einräumt. Da sich die konjunkturelle Erholung laut Johannes Kube von der Commerzbank – auch in Erwartung eines Impfstoffes – in den kommenden Jahren fortsetzen dürfte, sei zu erwarten, dass auch die – immer wieder – kommenden kurzfristigen Rückschläge als Nachkaufchance angesehen werden.

Auch bei Rohstoffen sorgte die Meldung vom Corona-Impfstoff für steigende Nachfrage nach Ölprodukten. Auch Basismetalle wie Nickel, Zink und Kupfer gewannen an Wert aufgrund von Hoffnungen, dass die Weltkonjunktur nach Überwindung der Coronavirus-Pandemie deutlich anziehen wird. „Sollte der Impfstoff seine Vorschusslorbeeren einlösen können, erwarte ich, dass die Ölpreise unter den Rohstoffen weiterhin das größte Aufwärtspotenzial haben“, sagt dazu Stephan von der Deutschen Bank.

Daneben leiden indessen die Kurse von Edelmetallen unter der aufkommenden Hoffnung. Innerhalb kurzer Zeit reagierte der Goldkurs mit einem Verlust von 100 Dollar auf die Impfstoff-Nachricht. Nachdem der Preis für das gelbe Metall noch im August auf fast 2070 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) geklettert war, fiel er nun auf weniger als 1900 Dollar. spe