Die Bewerbung, das Auswahlgespräch, die Zusage - die ersten Hürden sind geschafft. Doch dann kommt der erste Tag, der erste Monat, und mit einem Mal ist man Teil eines Betriebs. Angekommen im Arbeitsalltag und doch noch ganz am Anfang. Ein guter Start in die Ausbildung ist jedem zu wünschen. Doch wie gelingt er? Was können Auszubildende selbst tun, und welche Voraussetzungen sollte der Arbeitgeber schaffen, damit der Einstieg angenehm wird?
Neue Welt entdecken
„Für den Anfang rate ich Auszubildenden: Stell dir vor, du kommst in eine neue Welt und willst sie entdecken“, erklärt Christian Warneke, Professor an der Euro-FH in Hamburg. Entdecken bedeutet, aufmerksam die Aspekte des neuen Umfelds zu erkunden – inhaltlich, organisatorisch und zwischenmenschlich. Das können grundlegende Dinge sein wie die Arbeitszeiten oder der Tätigkeitsbereich. Aber auch Zwischenmenschliches: Duzt man sich im Betrieb, oder spricht man die neuen Kollegen mit Sie an? Welcher Kleidungsstil ist gefragt?
Für den ersten Tag gilt: Frühzeitig losgehen, um pünktlich anzukommen. Also am besten ein paar Tage davor noch einmal nachfragen, wann man wo sein muss. Zur Sicherheit einen Zeitpuffer einplanen. Denn: „Es ist schwer, den ersten Eindruck zu korrigieren“, sagt Warneke. Die Kleidung sollte ordentlich sein am ersten Tag lieber etwas zu schick als zu nachlässig. In manchen Betrieben gibt es am Anfang ein Einführungsseminar - so auch bei der VPV Lebensversicherungs-AG in Stuttgart. Dort erhalten Auszubildende grundlegende Informationen über das Unternehmen, lernen Ansprechpartner in den Abteilungen kennen und bekommen einen Überblick über die Aufgaben im ersten Jahr. Durch das langsame Heranführen bekommen die Azubis Zeit, sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. „Außerdem können sich die neuen Azubis von Beginn an mit Auszubildenden und Studierenden höherer Jahrgänge austauschen und so Fragen und Erfahrungen austauschen“, fügt Bernd Blessin hinzu. Er ist Personalleiter der VPV und Vorstand des Bundesverbands für Personalmanager. Um möglichst schnell in den Betrieb integrieren zu werden, sollte man nach und nach auch Kontakt zu den Kollegen herstellen: „Das fängt damit an, sich die Namen der Kollegen zu merken und aufdem Gang freundlich zu grüßen“, sagt Warneke. Dadurch signalisiert man Offenheit und Interesse, ein Gespräch kann so leichter entstehen. Durch den Austausch mit Kollegen erfährt man beispielsweise, wer was besonders gut kann und einem etwas beibringen kann. Bekommt man als Azubi die ersten Aufgaben übertragen, gilt: Auch vor kleinen oder scheinbar unattraktiven Aufgaben nicht zurückschrecken. Werden diese zuverlässig erledigt, fassen die Kollegen Vertrauen und werden einem bald schon anspruchsvollere Aufgaben anvertrauen. Natürlich gehören auch Aufgaben, die weniger Freude bereiten, zum Arbeitsalltag. Doch was, wenn das zum dauerhaften Zustand wird?
Schwierigkeiten meistern
Manche stoßen schon in den ersten Wochen ihrer Ausbildung auf Schwierigkeiten: „Die Azubis klagen dann über zahlreiche Überstunden, fehlendes Ausbildungsmaterial oder Aufgaben, die gar nicht zu ihrer Ausbildung gehören“, erzählt Simon Habermaaß, Bundesjugendsekretär der Gewerkschaft Verdi. Keine schöne Erfahrung. Doch: „Zunächst ist es wichtig, das Problem sachlich zu analysieren und einzugrenzen“, erklärt Warneke. Habe ich ein Problem mit einer einzelnen Person, oder fühle ich mich allgemein mit der Ausbildung unwohl? Hat man für sich den Grund der Irritation gefunden, hilft es, um Rat zu fragen - am besten außerhalb des Betriebs. Im Austausch mit einer Vertrauensperson aus der Familie, dem Freundeskreis oder anderen Azubis merkt man schnell, wie man das Problem bewerten muss: Ob man sich mit der Situation arrangieren muss oder konkret gehandelt werden kann und muss.
Bei ernsthaften Problemen sollte man sich an Kollegen, den Betriebsrat oder Ausbildungsleiter wenden. „Denn wenn die Ausbildung nicht stimmt, stehen die Azubis nach der Ausbildung bei der Jobsuche schlecht da“, sagt Habermaaß. Doch so weit muss es nicht kommen.
Ein Grundsatz, der eigentlich auf alle Lebensphasen zutrifft, gilt für Auszubildende besonders: neugierig sein. „Anfangs darf man jede Frage stellen“, sagt der Berufspsychologe. Die Kollegen sind sich bewusst, dass man vieles noch nicht wissen kann. Fragen werden nicht negativ aufgenommen. Im Gegenteil: „Fragen zeigen, dass man mitdenkt und Interesse hat.“
Das kann auch Blessin bestätigen: „Die Fragen von jungen Kollegen regen einen selbst zum Nachdenken an - das ist ein schöner Impuls.“ Im Idealfall sei das Kollegenverhältnis auch während der Ausbildung auf Augenhöhe, schließlich können beide Seiten viel von einander lernen. dpa
Die Rolle der Eltern
Geduldig sein und unterstützen - Eltern sind wichtig im Findungsprozess Jugendlicher.
Über die Diffusität von Pubertierenden rund um den beruflichen Werdegang hat sich die Wissenschaft schon immer Gedanken gemacht“, sagt Erziehungsberater und Buchautor Jan-Uwe Rogge. So habe man drei Typen ausgemacht - egal ob weiblich oder männlich.
Die erste Gruppe weiß bereits früh, also schon vor der Pubertät, was sie wird. „Bei ihr ist die Berufsbiografie programmiert, weil sie etwa auf dem Bauernhof leben und Bauer werden oder die Familie ein Hotel hat und sie dort mit einsteigen“, nennt Rogge Beispiele. Bei der zweiten Gruppe schwanke es. Zu Beginn der Pubertät wollen sie dies werden, sechs Monate später das und ein halbes Jahr danach jenes. Und die dritte Gruppe wisse gar nicht, was sie will.
Sie wissen nicht, was sie wollen: „Von diesem dritten Typ berichten mir Lehrlingsausbilder immer häufiger“, sagt Rogge. Ihn wundert das auch nicht. „Das liegt einfach auch an der ständigen Veränderung von Berufsbildern.“ Um die 15, 16 Jahre herum sei ja ohnehin die Zeit des Suchens – auch was den Job angeht. Wenn Eltern dann die Nerven verlieren, führt das laut Rogge nur selten zum Erfolg. Stattdessen sei Geduld gefragt. „Drängeln führt nur dazu, dass sich das massiv auf die Beziehung zwischen Eltern und Kind auswirkt.“
Helfen beim Sammeln von Job-Ideen, Anregungen für Messen und Schnupperpraktika geben, Links schicken oder gemeinsam googeln könnten Eltern aber schon. Das gebe den Jugendlichen das Gefühl, sie im Prozess des Findens zu unterstützen.
EINIGE TIPPS FÜR MÜTTER UND VÄTER
Interessieren Sie sich für die Berufsorientierung, die Ihre Kinder in der Schule erhalten. Erkundigen Sie sich zum Beispiel, was im Unterricht besprochen wird.
Besuchen Sie die Elternabende, die zur Berufsorientierung stattfinden. Informieren Sie sich aktiv über das Thema. Begleiten Sie Ihren Nachwuchs etwa auf Ausbildungsmessen und Infoveranstaltungen, wenn diese das wünschen.
Interessieren Sie sich im Vorfeld für die anstehenden Praktika Ihrer Kinder. Doch die Wahl des Berufs oder des Ausbildungsbetriebes sollten Sie ihrem Sprössling nicht abnehmen.
Befragen Sie Ihre Kinder nach ihren beruflichen Wünschen und Zielen. Suchen Sie das offene Gespräch.
Stülpen Sie Jugendlichen nicht Ihre eigenen Vorstellungen über. Sie sollen vielmehr Unterstützung zeigen, wenn sich junge Erwachsene für einen bestimmten Bereich interessieren oder ein Talent dafür entwickeln.
Vermeiden Sie es, nur über Ihren Job zu klagen, sondern berichten Sie auch über die positiven Seiten des Berufslebens.
Spielen Sie keine dominierende Rolle, wenn Sie Ihren Nachwuchs zu Beratungsterminen begleiten. Seien Sie eher ein aufmerksamer Zuhörer.
Unterstützen Sie Ihre Kinder bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen. Idealerweise informieren Sie sich zuvor, welche Standards die Unternehmen heute verlangen, damit Sie Ihrem Nachwuchs nichts Falsches erzählen.
Lesen Sie die schriftlichen Unterlagen Ihrer Sprösslinge Korrektur. Verfassen Sie aber nicht das Anschreiben und die Anlagen.