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Stück für Stück für mehr Verkehrsfluss in Hedelfingen

Hedelfingen: Sperrung wegen Baustellen in der Hedelfinger Straße und im Speidelweg aufgehoben. Hoffnung auf dauerhafte B-10-Zufahrt.

Die provisorische B-10-Zufahrt an der Straße Am Westkai könnte zur Dauerlösung werden. 
Fotos: Alexander Müller

1.02.2021

Die Verkehrsbelastung in Hedelfingen ist seit Jahrzehnten ein großes Problem. Zumindest die zusätzlichen Sorgen sind die staugeplagten Verkehrsteilnehmer seit kurz vor Weihnachten wieder los. Nach wochenlangen Sperrungen konnte die Hedelfinger Straße und der Speidelweg wieder für den Verkehr freigegeben werden. Doch nicht etwa wichtige Straßensanierungen oder sogar verkehrstechnische Verbesserungen waren der Grund dafür als vielmehr dringend benötigte Sanierungen und Neubauten an der Wasserversorgung.

Für drei Millionen Euro wird das Regenüberlaufbecken unter dem Bolzplatz hinter dem Bürgerhaus saniert. Dafür musste ein neues Drossel- und Trennbauwerk unterhalb der Hedelfinger Straße eingebaut werden. Eine Vollsperrung war unumgänglich. Bereits vor Weihnachten und damit früher als geplant, konnte der Verkehr aber bereits wieder fließen. In den kommenden Monaten müssen nun noch das neue Betriebsgebäude sowie die mechanischen und elektronischen Einrichtungen für die Fernüberwachung auf dem Gelände installiert werden, „der Verkehr ist davon aber nicht mehr betroffen“, sagt Alma Osmanagic vom Tiefbauamt.

Hingegen nicht ein neuer Ab- als vielmehr ein neuer Trinkwasserbehälter entsteht derzeit am Speidelweg. Die Netze BW ersetzt damit das aus dem Jahr 1909 stammende Bauwerk im Gewann Hohe Halde. Mit dem zwei Millionen Euro teuren Trinkwasserbehälter oberhalb des Egerwegs werden in Zukunft 3500 Bürger in Rohracker versorgt. Seit dem Spatenstich im November war der Speidelweg wegen den Arbeiten werktags gesperrt – bis Weihnachten. „Es wird nun nur noch punktuell der Fall sein, wir werden aber rechtzeitig darüber informieren“, verspricht Netze-BW-Sprecher Hans-Jörg Groscurth.


"Das Regierungspräsidium zeigt sich inzwischen offen für eine Aufwertung des B-10-Anschlusses in Hedelfingen und Wangen."

Verkehrsplaner Andreas Hemmerich


"Mit dem Kreisverkehr am Hedelfinger Platz und einer Umgestaltung der Otto-Hirsch-Brücken würde der Stadtbezirk deutlich entlastet."

Bezirksvorsteher Kai Freier


Um einen absoluten Verkehrskollaps zu vermeiden, wurde während der beiden Bauphasen die schon einmal bewährte provisorische B-10-Zufahrt von der Straße Am Westkai wieder eingerichtet. Nach Abschluss der Sperrungen musste das Provisorium aber wieder geschlossen werden, „da es sich lediglich um eine Baustellenverkehrsführung gehandelt hat“, erklärt Andreas Hemmerich vom Stadtplanungsamt.

Sehr zum Ärger des Bezirksbeirats und einiger Gemeinderäte. Sie fordern eine dauerhafte zusätzliche Auffahrt auf die B10 in Hedelfingen. Auch viele Bürger sehen darin eine klare Verbesserung der Verkehrssituation. Nicht nur beim Tiefbau- und dem Bezirksamt kamen zahlreiche Bitten an, die B-10-Zufahrt zu belassen, „auch bei mir sind einige Gelbe Karten aufgelaufen“, sagt Verkehrsplaner Hemmerich.

Im Zuge der Planungen für die Hauptradroute 43 von Obertürkheim über Hedelfingen auf die Fildern soll dieser Wunsch daher nun einfließen. „Aus verkehrlicher Sicht wäre das natürlich interessant“, weiß Hemmerich. Dabei bezieht er auch gleich die Anschlussstelle Wangen mit ein. Denn beide sind bislang nur zu drei Viertel ausgebaut. Soll heißen, in Hedelfingen fehlt die Auffahrt in Richtung Stuttgart, in Wangen fehlt eine Ausfahrt von Esslingen kommend. Der Vorteil: Viele Verkehrsteilnehmer könnten wirklich bis zum eigentlichen Zielort auf der Bundesstraße bleiben, beziehungsweise direkt wieder auffahren. Zahlreiche Fahrten zwischen den beiden Stadtbezirken wären somit hinfällig. Als Ideallösung schwebt Hemmerich vor, die Straße Am Westkai zur Einbahnstraße umzufunktionieren, mit Fahrtrichtung Wangen. Damit wäre genügend Raum für die benötigte Beschleunigungsspur und Ausfahrt vorhanden.

Die Sperrung der Hedelfinger Straße wurde bereits vor Weihnachten aufgehoben.
Die Sperrung der Hedelfinger Straße wurde bereits vor Weihnachten aufgehoben.

Das für die Bundesstraße zuständige Regierungspräsidium hatte in der Vergangenheit Anfragen mit dem Hinweis auf die nahe beieinander liegenden Anschlussstellen abgelehnt. „Nunmehr ist aber eine gewisse Offenheit zu erkennen“, sagt Hemmerich. Eine schnelle Lösung ist aber nicht zu erwarten. Die Pläne müssen zunächst ausgereift und anschließend in den Gremien erörtert werden. Mit einer Beschlussfassung ist nicht vor 2022 zu rechnen. Die benötigten Gelder könnten somit erst im Doppelhaushalt 2023/2024 bereits gestellt werden.

Profitieren würde von solch einer Lösung in erster Linie der Stadtbezirk Hedelfingen. „Es ist eine deutliche Verkehrsreduzierung auf den Otto-Hirsch-Brücken zu erwarten“, ist Hemmerich überzeugt. Das würde die erhoffte Umgestaltung im Zuge der Hauptradroute 43 ermöglichen und auch den in diesem Zuge geplanten Kreisverkehr am Hedelfinger Platz vereinfachen.

Wichtige Schritte auf dem Weg für eine Entlastung des Stadtbezirks. „Mit dem vollzogenen Rückbau des Dürrbachkreisels und der Rohrackerstraße im Ortskern ergäbe dies eine Verkehrsführung, die auch den örtlichen Gegebenheiten entspricht“, ist Bezirksvorsteher Kai Freier hoffnungsvoll. Das würde die enormen Belastungen des Lärms und der Emissionen endlich reduzieren. Und mit den gewonnen Freiflächen der nicht mehr benötigten Fahrspuren rund um den Hedelfinger Platz könnte auch städtebaulich der Ortseingang deutlich aufgewertet werden – aber vor allem Stück für Stück ein besserer Verkehrsfluss gewährleistet werden. Von Alexander Müller