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Start in die Berufsausbildung

Bewerbung per E-Mail und Online-Formular

Standards. Bei jeder Form der Bewerbung müssen Jugendliche sorgfältig arbeiten.

11. Februar 2019 - 08:00 Uhr
Mit einer seriösen E-Mail beginnt es – Bewerbung am Laptop. Foto: Lightfield / Adobe Stock
Mit einer seriösen E-Mail beginnt es – Bewerbung am Laptop. Foto: Lightfield / Adobe Stock
Die klassische Bewerbungsmappe kommt aus der Mode, heute liegen Online-Bewerbungen im Trend. Während kleine und mittlere Betriebe in der Regel den Versand von Unterlagen via E-Mail erwarten, steuern Konzerne und große Arbeitgeber das Verfahren über eigens für das Recruiting eingerichtete Online-Formulare. Die Ausbildungsplatzsuchenden beantworten dort nicht nur die Fragen des Unternehmens, sondern laden auch die gewünschten Dokumente hoch. 

„Eine Bewerbung, die Schüler per Mail verschicken, unterscheidet sich eigentlich nicht von einer klassischen Papier-Bewerbung“, sagt Jutta Dietrich, Berufs- und Studienberaterin bei der Arbeitsagentur Stuttgart. „Beide enthalten die gleichen Komponenten wie Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse.“ Wichtig ist: „Egal, welche Bewerbungsform der künftige Arbeitgeber erwartet, die Ausbildungsplatzsuchenden sollten immer sorgfältig arbeiten.“ Und wenn ein Unternehmen eine bestimmte Bewerbungsvariante verlangt, ist es unbedingt notwendig, sich an diese Vorgabe zu halten.

Um Fehler bei der E-Mail-Bewerbung zu vermeiden, empfiehlt Dietrich, sich die Mail erst selbst zuzuschicken, bevor man sie an den Wunscharbeitgeber versendet. Denn so lässt sich leichter erkennen, ob es zum Beispiel Probleme mit dem Dateianhang gibt. Gerade die Bewerbung per Mail hat einige Besonderheiten, auf die es zu achten gilt: „Schüler müssen unbedingt eine seriöse Mailadresse benutzen“, betont Dietrich. „Diese sollte den Vor- und Nachnamen enthalten.“ Die angehängten Dokumente dürfen nicht ungeordnet sein, sondern sollten in einem PDF-Dokument zusammengefasst werden. Die Größe darf drei Megabyte nicht überschreiten, so Dietrich. Außerdem ist es für das Unternehmen hilfreich, wenn das PDF einen aussagekräftigen Titel hat. Statt es also lediglich „Bewerbung“ zu nennen, könnten Schüler noch ihren Vor- und Zunamen in den Dateinamen einfügen.

Auch die Bewerbungsmail muss sich an formale Standards halten. „So sollte die Betreffzeile auf jeden Fall aussagekräftig sein und zum Beispiel die entscheidenden Schlüsselbegriffe wie ‚Bewerbung um eine Ausbildung zur Industriekauffrau‘ enthalten“, so Dietrich. Manche Schüler schicken auch leere Mails und hängen lediglich das PDF-Dokument an. Das ist ebenfalls problematisch. Sinnvoll ist es dagegen, ein paar kurze höfliche Sätze zu verfassen, die auf das angehängte Bewerbungsdokument verweisen.

Eine besondere Form der Bewerbung ist das Online-Formular. Während junge Leute bei einer Versendung per E-Mail oder Post ihre Unterlagen in aller Ruhe erstellen können, müssen sie bei diesen Formularen alle Fragen direkt beantworten. „Das ist für die Jugendlichen eine große Herausforderung“, betont Manuela Keller, Berufsberaterin bei der Arbeitsagentur Böblingen. „Sie sollten sich vor dem eigentlichen Ausfüllen des Formulars alle Bewerbungsunterlagen wie Anschreiben und Lebenslauf zurechtlegen, die sie natürlich bereits zuvor verfasst haben.“ Denn aus diesen Texten lassen sich entsprechende Passagen übernehmen und dann in die verschiedenen Antwortfelder einfügen. Sorgfalt ist auch beim Ausfüllen von Online-Formularen das A und O. Anja Schreiber

Die Zukunft ist elektrisch

Digitalisierung. Facharbeiter mit Elektronikwissen werden zunehmend gebraucht. Die Ausbildungsvergütung ist hoch und die berufliche Zukunft rosig.

Lässt Strom fließen – Katrin Knödler wird Elektronikerin für Betriebstechnik. Foto: Netze BW
Lässt Strom fließen – Katrin Knödler wird Elektronikerin für Betriebstechnik. Foto: Netze BW
Die Firma Trumpf gehört zu den weltweit größten Herstellern von Werkzeugmaschinen für die industrielle Produktion. Lasertechnik ist das Spezialgebiet des Unternehmens. In Ditzingen bildet Trumpf in drei Elektronik- und IT-Berufen aus: Mechatroniker sowie Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung und Systemintegration. 33 Azubis hat die Firma in diesen drei Berufen. „Für das neue Ausbildungsjahr planen wir, zehn neue Mechatroniker-Azubis einzustellen, und haben auf unsere Ausschreibung 270 Bewerbungen bekommen“, sagt Torsten Klaus, Gruppenleiter technische Ausbildung. Von solchem Interesse können kleine und unbekannte Firmen nur träumen. Insgesamt hat Trumpf in Ditzingen gut 60 Azubis in technischen Berufen. „Der Anteil an Mechatronikern ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, weil wir den Anforderungen aus den Fachbereichen gerecht werden müssen“, begründet Klaus. Digitalisierung und Industrie 4.0 sind die wichtigsten Treiber dieser Entwicklung.

Kim Hamann (16) hat nach der Realschule im letzten Jahr seine Ausbildung als Fachinformatiker für Systemintegration bei Trumpf angefangen. „IT interessiert mich, wird immer mehr genutzt, beruflich und privat, und hat daher Zukunft“, begründet er seine Berufswahl. Bastian Gauger (19) lernt bei Trumpf Mechatroniker. Er ist im dritten Lehrjahr.

AUSBILDUNG AN DIE DIGITALISIERUNG ANGEPASST

„Weil der Beruf mit Mechanik, Elektronik und Informatik gleich aus drei Fachgebieten besteht, ist er vielseitig und Facharbeiter werden in vielen Branchen gesucht“, begründet Gauger seine Wahl. Weil er gute Noten in der Berufsschule hat und Trumpf ihn fachlich schätzt, wird seine Lehrzeit um ein halbes Jahr auf nun drei Jahre verkürzt. Im Sommer lernt Gauger aus und stellt sich seine berufliche Zukunft so vor: „Nach meiner Ausbildung wird mich Trumpf übernehmen. Dann will ich als Facharbeiter Erfahrung sammeln und mich später zum Fachwirt weiterbilden.“ Der ist das kaufmännische Pendant zum Techniker. Gauger möchte später in den Vertrieb oder in die Konstruktion wechseln.

Elektroberufe wurden zum Ausbildungsstart im vergangenen Jahr modernisiert und an die fortschreitende Digitalisierung der Arbeitswelt angepasst. Digitalisierung, Datenschutz und Informationssicherheit sind nun feste Bestandteile der Ausbildung von elf Metall- und Elektroberufen. Darunter Mechatroniker und Elektroniker für Betriebstechnik. Die Ausbildungsvergütung in Elektroberufen ist hoch. Nach dem Tarifvertrag der IG Metall liegt sie in Baden- Württemberg zwischen 1037 Euro im ersten und 1246 Euro im vierten Ausbildungsjahr.

Katrin Knödler (20) macht bei Netze BW, einer Tochter des Energiekonzerns EnBW, seit dem vergangenen Jahr eine Ausbildung zur Elektronikerin für Betriebstechnik in Stuttgart. Sie hat nach der Realschule an ein technisches Gymnasium gewechselt und dort Abitur gemacht. Elektronik findet Knödler spannend. „Wie ein komplexer Schaltplan auf Papier in die Praxis umgesetzt wird, bis letztendlich ein Strom fließt. Oder die systematische Fehlersuche in elektrischen Systemen“, nennt sie als Beispiele. Dreieinhalb Jahre dauert diese Ausbildung. Das erste Lehrjahr sind die Azubis in der Lehrwerkstatt, ab Mitte des zweiten Lehrjahrs gehen sie mit auf die Baustelle.

„Unsere Elektroniker für Betriebstechnik sorgen für den Ausbau und den Betrieb der Stromnetze, sie beheben Störungen und halten die Anlagen instand“, sagt Gerhard Heinrich, Ausbildungsleiter bei Netze BW. Das Unternehmen bildet in fünf Elektroberufen aus, Elektroniker für Betriebstechnik sind die weitaus häufigsten. 450 Elektroazubis hat die EnBW insgesamt. Bei denen findet seit Jahren eine deutliche Zunahme statt. Zum Beispiel bei der Tochter Netze BW: 2013 waren es 39 Neueinstellungen von Azubis im Beruf Elektroniker für Betriebstechnik, im neuen Ausbildungsjahr werden 122 eingestellt. „Die starke Zunahme hat mehrere Gründe“, so Heinrich. Zum einen gehen viele in Rente – nach dem Bergbau ist die Energie die zweitälteste Branche in Deutschland. Die wird nun ziemlich umgekrempelt. Mit der Energiewende ist ein Netzausbau für erneuerbare Energie notwendig, die Elektromobilität erfordert einen Infrastrukturausbau und für die Kommunikation wird das Breitbandnetz ausgebaut.

Elektronik kommt bei jungen Leuten an. Zwischen 2013 und 2019 hat sich die Anzahl der Bewerbungen für diese Ausbildungsberufe bei Netze BW verdreifacht. Die Chancen als Facharbeiter sind bei so viel neuer Arbeit gut. „Wir geben grundsätzlich eine unbefristete Übernahmezusage, persönliche und fachliche Eignung vorausgesetzt“, so Heinrich. Wer als Facharbeiter gut ist und Interesse hat, kann den Industriemeister Netz machen. Das ist eine interne Meisterfortbildung, die Prüfung wird bei der IHK abgelegt. „Wir übernehmen die Kursgebühr und stellen von der Arbeit frei.“ Im Gegenzug muss sich der Netz-Meister verpflichten, mindestens drei Jahre bei der Firma zu bleiben. Peter Ilg

KVJS Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg
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