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Start in die Berufsausbildung Der Ton macht die Musik

01. Oktober 2019 - 08:00 Uhr

Abkürzungen, Schreibfehler – alles kein Problem in den sozialen Medien, aber in der Bewerbung. Foto: Aleksei/Adobe Stock
Abkürzungen, Schreibfehler – alles kein Problem in den sozialen Medien, aber in der Bewerbung. Foto: Aleksei/Adobe Stock

Dauernd Nachrichten in den sozialen Medien schreiben, aber telefonisch schwer erreichbar sein – die Kommunikationsgewohnheiten junger Leute sind oft nicht kompatibel mit den Anforderungen des beruflichen Alltags. Denn Arbeitgeber, Vorgesetzte und Kollegen nutzen andere Kommunikationswege. Schüler und Auszubildende müssen sich also umstellen, wollen sie bei der Bewerbung und in der Ausbildung erfolgreich sein.

Zvonimir Markovic von der Bewerber- vermittlung „Azubi gesucht?“ der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart weiß, wie unterschiedlich junge Leute und Unternehmen kommunizieren: „Die meisten Betriebe verwenden immer noch die Klassiker Telefon und Mail. Das müssen sich Schüler und Schulabgänger klarmachen.“ Die Wahrscheinlichkeit ist also gering, dass sie zum Beispiel einen Mitarbeiter in der Personalabteilung per Messenger erreichen. Doch genau an diesem Punkt fängt das Kommunikationsproblem zwischen den Generationen an.

Die Jugendlichen sind so daran gewöhnt, Text- und Sprachnachrichten, aber auch Fotos und Videos über die sozialen Medien zu verschicken, dass das Schreiben einer Mail für sie schon eine Herausforderung ist – bei der sie oft ins Fettnäpfchen treten. „Wenn Schüler ihre Bewerbung per Mail versenden, hängen sie manchmal nur ein PDF-Dokument an, ohne etwas in die Betreffzeile oder das Textfeld zu schreiben“, berichtet Markovic. Dieses Verhalten habe wohl seinen Hintergrund im Gebrauch der sozialen Medien, bei denen das kommentarlose Verschicken von Dateien verbreitet ist.

Manche Jugendliche machen sich nicht klar, dass eine solche Bewerbungsmail beim Empfänger Unverständnis oder sogar Ärger hervorruft. Schließlich kann er die Mail nicht zuordnen. Der eine oder andere Unternehmensmitarbeiter hält sie womöglich sogar für Spam.

Deshalb rät Markovic Bewerbern, immer eine aussagekräftige Betreffzeile und einen kurzen Mail-Text zu verfassen. So ein Anschreiben sollte natürlich auch eine höfliche Anrede mit den Worten „Sehr geehrte Frau X“ oder „Sehr geehrter Herr Y“ enthalten und mit einem Abschlussgruß enden, etwa „mit freundlichen Grüßen“.
  

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WER MAILS VERSCHICKT, MUSS AUCH ANTWORTEN

Doch Markovic kennt ein weiteres Problem: „Jugendliche nutzen Mails für ihre normale Kommunikation nicht, deshalb sind sie auf diesem Weg kaum erreichbar.“ So würden sie zum Beispiel nur selten ihre E-Mails abrufen. Ein Problem in der Bewerbungsphase! Denn es ist wahrscheinlich, dass sich die angeschriebenen Arbeitgeber per Mail melden. Markovic rät jungen Bewerbern, nicht nur regelmäßig ihre Mails zu checken, sondern auch in den Spamordner zu schauen. Hat eine Firma sich gemeldet, sollten sie möglichst schnell antworten.

Die Art und Weise, wie Schüler und Schulabgänger ihre Mails verfassen, stellt für Erwachsene einer anderen Generation ebenfalls eine Herausforderung dar: „Manchmal bekomme ich Nachrichten mit Abkürzungen, die ich nicht verstehe. So schrieb mir neulich jemand, er würde sich mit ,ficz‘ melden. Keine Ahnung, was er damit meinte“, berichtet Elke Langenmair, Ausbildungsvermittlerin bei der Arbeitsagentur Stuttgart. Ihr Tipp an die jungen Leute lautet deshalb, auf Jugendsprache zu verzichten. „Bewerber sollten außerdem ihre Mails an ein Unternehmen unbedingt von den Eltern Korrektur lesen lassen.“ Denn Rechtschreibung und Zeichensetzung seien oft fehlerhaft – und das mache keinen guten Eindruck.

Auch wenn Jugendliche eigentlich ständig ihr Handy dabeihaben, heißt das zudem noch lange nicht, dass sie auch telefonisch erreichbar sind. Elke Langenmair kennt das Problem nicht nur aus eigener Erfahrung, sondern hört auch immer wieder von Unternehmensvertretern Beschwerden, dass Bewerber nicht erreichbar seien.

RÜCKRUF INNERHALB VON EIN BIS ZWEI TAGEN

„Oft geht niemand dran. Wenn man dann eine Nachricht auf die Mailbox spricht, gibt es oft keinen Rückruf. Unternehmen, die drei- oder viermal die Bitte um einen Rückruf hinterlassen müssen, haben irgendwann keine Lust mehr auf diesen Bewerber.“ So sorgen manche Schüler ungewollt selbst dafür, dass sie keinen Ausbildungsvertrag erhalten. Um das zu verhindern, empfiehlt die Ausbildungsvermittlerin: „Spätestens nach 24 oder 48 Stunden muss sich der Angerufene melden.“ Das gilt auch dann, wenn er kein Interesse mehr an dem Ausbildungsplatz hat, weil er vielleicht schon einen anderen Vertrag unterschreiben konnte. Sich einfach nicht mehr zu rühren, ist grob unhöflich. Der Jugendliche hinterlässt so einen schlechten Eindruck.

Auch das Verhalten am Telefon ist für viele Jugendliche ein Problem, weil ihnen formale Verhaltensweisen wie klassische Begrüßungsformeln fremd sind. Langenmair: „Formulierungen wie ,Guten Tag‘ haben weiterhin ihre Gültigkeit. Wer dann auch noch seinen Namen nennt, überrascht angenehm.“ Für Auszubildende gilt: Sie sollten am Firmentelefon nicht nur eine Begrüßungsformel nutzen, sondern auch den Firmennamen und ihren eigenen Namen nennen und nach dem Anliegen des Anrufers fragen.

Markovic fällt auf, dass einige Jugendliche auch in der persönlichen Kommunikation ihre Schwächen haben: „Sie formulieren ihre Sätze nicht aus oder benutzen Jugendsprache. Oft gleiten sie vom Sie ins Du ab. Sie scheinen zwischen privaten Kontakten und beruflicher Kommunikation nicht wirklich zu unterscheiden.“ Bei der Bewerbung und später in der Ausbildung ist allerdings diese Unterscheidung für den Erfolg durchaus wichtig. Da für manche Arbeitgeber schlechte Kommunikationsfähigkeiten sogar ein Ablehnungsgrund für eine Bewerbung sein kann, empfiehlt Zvonimir Markovic Jugendlichen, sich Hilfe zu holen, um zum Beispiel Telefonate und Vorstellungsgespräche zu üben. Anja Schreiber


Welcher Beruf passt?

Toolder Arbeitsagentur

Foto: zo3l istic/Adobe Stock
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