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Baubeginn für Bergwald-Kita in Hedelfingen

Hedelfingen: Baufreigabe für Neubau anstelle der „Rattenkita“. 2,4 Millionen Euro für 50 Plätze in Ganztagesbetreuung.

Die riesige Baugrube im Schatten des Waldheims ist ausgehoben. In den nächsten 14 Tagen soll die Bodenplatte für die neue Kita gegossen werden. Foto: Alexander Müller

28.06.2021

Jetzt gibt es kein zurück mehr“, betont Paul Wurm, der Vorsitzende des Waldheimvereins Hedelfingen. Gemeint ist der Neubau einer Kindertagesstätte auf dem Gelände am Bergwald. Vergangene Woche kam nun die Freigabe vom Baurechtsamt für den Einbau der Bodenplatte sowie des Keller- und Erdgeschosses. „Nun können wir endlich anfangen, richtig zu bauen“, freut sich Wurm. Dabei sind die Fortschritte bereits unübersehbar. Die riesige Baugrube ist ausgehoben, die Bereiche vermessen und vom Statiker geprüft. „Nun werden noch die beiden letzten Lastwagen mit Erdaushub abgefahren“, erklärt der umtriebige Vereinsvorsitzende – von insgesamt 140 Lastern, die 1550 Kubikmeter Erdreich fortschaffen mussten. Schließlich müssen für das zweistöckige Gebäude rund 3,50 Meter in die Tiefe und dort auch noch auf 18 Betonstelen aufgesetzt werden, um eine tragfähige Erdschicht zu erreichen.

In den kommenden 14 Tagen soll dann die Bodenplatte gegossen werden. Diese ist notwendig für die insgesamt 3700 Quadratmeter neue Raumfläche. Bis zum Winter soll die Gebäudehülle bereits stehen, damit über den Winter im Innenbereich weitergebaut werden kann, so der ehrgeizige Terminplan. Schließlich soll der schmucke Neubau am 30. Juni 2022 schlüsselfertig an die Stadt als Träger übergeben werden. Dann sollen insgesamt 50 Kinder – davon zehn im Alter von 0 bis 3 Jahren – in drei Gruppen ein neues Zuhause im Ganztagesbereich finden. Im Erdgeschoss sind neben Büros und Gruppenräumen die Küche und die Mensa sowie eine kleine Turnhalle untergebracht, die auch für Veranstaltungen des Waldheimvereins genutzt werden kann. Durch die einfache Geometrie mit einem Satteldach fügt sich der Neubau ins bestehende Waldheim-Ensemble ein. Gekennzeichnet ist er durch die imposante Freitreppe. Zum Garten hin, wo alle Gruppenräume angebracht sind, öffnet er sich mit großzügigen Verglasungen. „Den bisherigen Außenbereich wollen fast komplett erhalten, er wird lediglich nivelliert“, erklärt Wurm.

Das war beim bestehenden Kita-Gebäude nicht mehr möglich. Die Nutzung des Flachdach-Pavillons endete im Juli vergangenen Jahres abrupt, als die Einrichtung als „Rattenkita“ traurige Berühmtheit erlangte. Die Nager hatten sich in dem ursprünglich auf zehn Jahre als Provisorium errichteten Kindergarten häuslich eingerichtet. Eine Sanierung des 50 Jahre alten Hauses kam aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr in Frage. In Rekordzeit baute der Waldheimverein den großen Saal des Hauptgebäudes als Ausweichquartier um, der Umzug erfolgte bereits im September 2020.

Der Neubau besticht durch eine großzügige Freitreppe. Alle Gruppenräume sind durch große Fensterfronten zum Garten hin geöffnet. Visualisierung: larob-Architekten
Der Neubau besticht durch eine großzügige Freitreppe. Alle Gruppenräume sind durch große Fensterfronten zum Garten hin geöffnet. Visualisierung: larob-Architekten

Anstelle der „Rattenkita“ entschieden sich die Mitglieder für einen Neubau. Bereits im Dezember vergangenen Jahres erfolgte das Baugesuch. „Ohne die große Mithilfe der verschiedenen städtischen Ämter wäre das nicht möglich gewesen“, betont Wurm. Die Kosten für den Neubau sind auf 2,4 Millionen Euro veranschlagt. Der Kredit von der Kfw-Bank bewilligt und ein Zuschuss beim Regierungspräsidium beantragt. Die Mietzusage der Stadt läuft über zehn Jahre, mit einer zweimaligen Option auf weitere fünf Jahre. Damit sind die Mieteinnahmen gesichert. Dennoch ist der Neubau auch ein Wagnis für den Verein. „Wir müssen die Belastung auf die nächsten 25 Jahre verteilen“, sagt Wurm. Dennoch sieht er den Verein dann für die Zukunft gut aufgestellt. Seit nunmehr zehn Jahren wurden sukzessive vier verschiedene Kita-Einrichtungen im Waldheim integriert. Mit dem Neubau soll ab kommenden Sommer nun die fünfte folgen. „Damit ist die Versorgung in Rohracker, Hedelfingen und Lederberg gegeben“, sagt Wurm – ohne dass der Waldheimverein die Räume für eigene Aktivitäten verloren hat. Alexander Müller