Kurz vor der Wildmoosalm meldet sich der innere Schweinehund zu Wort. „Geh links entlang“, scheint er zu rufen, als die Beschilderung in unterschiedliche Richtungen zeigt. Ein Umweg, aber was heißt Umweg? Schließlich sind wir auf einer Winterweitwanderung, da verbietet sich der kürzeste Weg fast schon aus Prinzip. Während Wandern im Sommer eine so populäre wie klassische Betätigung für Aktivurlauber ist, wird das Winterweitwandern zum Trend. Ein Marketing-Begriff aus der Touristik ist es zwar, doch ein paar Vorzüge sind klar: Gegenüber Skifahren, Skitouren oder Schneeschuhwandern benötigt man bis auf warme Kleidung und geeignetes Schuhwerk kaum Ausrüstung.
Während schneearme Winter infolge des Klimawandels dem klassischen Wintersport zu schaffen machen, ist dies beim Winterweitwandern weniger ein Problem. „Die Winter werden schwieriger, und man braucht beim Winterwandern keine geschlossene Schneedecke“, sagt Lisa Krenkel vom Tourismusverband Seefeld.
Kurzum – das Naturerlebnis in der Kälte steht im Vordergrund, und so genieße ich auf meiner Tour immer wieder berauschende Ausblicke auf den Mundekopf, den markanten Ostgipfel der Hohen Munde, und die Ruhe, die von den schneebedeckten Wegen und dem Wald ausgeht.
Was ist wichtig? Man sollte die Packliste der Profis ernst nehmen. Die führt Grödel auf, eine Art Mini-Steigeisen aus Gummiringen mit spitz gezackten Ketten, die über die Schuhsohle gezogen werden. Mit etwas technischem Gerät, zu dem auch Stöcke zählen dürfen, ist man also beim Winterwandern gut beraten.
Was im Sommer das Wandern attraktiver machen soll, wird in Seefeld seit ein paar Jahren auch im Winter angeboten: der Gepäcktransport. Wenn man an der Unterkunft ankommt, sind Rucksäcke oder Koffer schon da. Und eine weitere Variante des Winterweitwanderns bietet man an: das sternförmige Wandern auf unterschiedlichen Etappen. Nach dem Laufen kehrt man stets mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in ein und dieselbe Unterkunft zurück.
Ich aber mache den Klassiker ohne Gepäcktransport, keine Wiederkehr. Im Dorf Mösern, Ort meiner nächsten Unterkunft, läutet gerade die Friedensglocke, die dort als Denkmal errichtet wurde.
Am Folgetag warten 14 Kilometer und über 700 Höhenmeter auf mich. Auch Rodler sind auf dem Weg erlaubt, ein paar nicht ganz so versierte Schlittenlenker drängen mich mit einem „Obacht“ an den Rand. Aber der Ausblick von der Hüttenterrasse auf das Gaistal, die Hohe Munde im Dämmerlicht ist herrlich. Später belohnen einen die Wirtsleute in der Gaststube mit Speisen und loderndem Kaminofen. Auch Gemütlichkeit ist typisch für eine Wanderung von Hütte zu Hütte.