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750 Jahre Gablenberg - für Besserwisser

Kaum zu glauben, aber Gablenberg feiert 2025 sein 750-jähriges Jubiläum. Die siebeneinhalb häufigsten Geschichtsirrtümer.

750 Jahre Gablenberg - für Besserwisser

Im alten Kirchlein, hier beim Abbruch, weit und breit kein Petrus: Erst die 1902 eingeweihte neue Gablenberger Kirche trug den Namen des Apostels. Foto: MUSE-O/Slg. Wiem

Kaum etwas hält sich in der mündlichen Überlieferung hartnäckiger als gut erzählte, aber falsche Geschichten. Unser Mitarbeiter, der Historiker Ulrich Gohl, klärt die am weitesten verbreiteten Fake News aus Gablenberg.

1. Irrtum: Der Name Gablenberg kommt von einem gegabelten Berg.

Keiner der Hügel, die das ursprünglich sumpfige, vom Klingenbach durchquerte Seitental umstehen, ist auffällig gabelförmig. Vom Neckartal aus betrachtet hat jedoch der Bach mit seinen vielen Zuflüssen durchaus die Form des Besteckteils. Sprachwissenschaftler erklären den Vorgang so: Zunächst hieß das Gewässer „Gabelbach“, erst danach ging die Bezeichnung auf die Umgebung über. Die erste Erwähnung des Namens aus dem Jahr 1275 der Jubiläumsanlass nennt das Flurstück in der Schreibweise „Gabenlemberc“.

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2. Irrtum: Das Sühnekreuz in der Wagenburgstraße geht auf einen Mordfall im Jahr 1287 zurück.

Tatsächlich herrschten im 13. Jahrhundert hierzulande kriegerische Verhältnisse. Das mag auch der Grund gewesen sein, warum Menschen aus Berg in jener Zeit ihren Ort verließen und das abgelegene Klingenbachtal besiedelten. Die Sage vom Gablenberger Sühnstein entstand allerdings erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als der Verleger und Drucker Johann Jakob Munder zahlreiche, bis heute populäre, scheinbar „uralte“ Sagen erfunden und in seiner Zeitung „Stuttgarter Stadt-Glocke“ veröffentlicht hat. Der Stein selbst stammt aus dem 15. oder 16. Jahrhundert.

3. Irrtum: Die Gablenberger Kirche war schon immer Petrus geweiht.

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Der bekannte Landeshistoriker Hansmartin Decker-Hauff zog im ersten Band der groß angelegten Stuttgarts Stadtgeschichte weitreichende Schlüsse für die mittelalterliche Geschichte aus der Benennung des hiesigen Gotteshauses nach dem Apostel Petrus. Aber: Erst das heutige Gebäude erhielt diesen Namen - und zwar 1902! Die Vorgängerkirche, zunächst eine kleine Kapelle wohl aus dem 15. Jahrhundert, war dem Heiligen Hippolyt geweiht.

4. Irrtum: Gablenberg war einst ein eigenständiges Dorf.

Eine wertvolle Untersuchung aus dem Jahr 1960 trägt den Titel "Chronik der Gemeinde Gablenberg und seiner Gemarkung“. Diese Überschrift enthält gleich zwei Fehler: Weder war Gablenberg jemals eine eigenständige Gemeinde, noch hatte es eine eigene Markung. Der Flecken gehörte, wie auch Heslach, immer zu Stuttgart. Insofern musste er auch nicht eingemeindet werden, selbst wenn dies gelegentlich sogar in offiziellen Unterlagen für die 1860er-Jahre beschrieben wird.

5. Irrtum: Der heutige Schmalzmarkt ist der historische Dorfplatz.

Bis 1935 standen dort, wo sich jetzt der Schmalzmarkt erstreckt, das große Gebäude der Wirtschaft „Zur Kelter“, acht kleine Weingärtnerhäuser, zwei Brunnen und mehrere Nebengebäude wie Ställe und Schuppen. Der NSDAP-Ortsgruppenleiter Eugen Mäckle liefs all das abreißen, um Platz zu schaffen für ein Verwaltungsgebäude (damals „Haus der Volkstreue“, heute „Volkshaus“), einen Aufmarschplatz und den „Brunnen der Hitlerjugend“, der sich umgestaltet und leicht verschoben noch immer auf dem Platz erhebt.

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6. Irrtum: Auf dem Schmalzmarkt wurde früher ein Markt abgehalten.

Im Standardwerk von Helmut Dölker "Flurnamen der Stadt Stuttgart“ heißt es, der Schmalzmarkt sei der „Platz am Treffpunkt von Neuer- undSeestr.“ - das entspricht heute ungefähr neue Straße 5, also südöstlich des heutigen Platzes. Weiter heißt es: „Nach 1 mündlicher Mitteilung hatte Gablenberg einmal einen kleinen Markt, der hier abgehalten wurde. Da er sich nicht lohnte, ging er nach kurzer Zeit wieder ein.“ Allerdings wird hier-unüblicherweise - weder eine schriftliche Quelle noch ein nachprüfbares Datum angegeben. Diese Überlieferung wirkt wenig glaubhaft. Außerdem hatte Gablenberg nie das Recht, Märkte abzuhalten; das war wichtigeren Orten vorbehalten.

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6einhalbter Irrtum: Auf diesem Markt wurde vor allem Schmalz gehandelt.

Es findet sich in den Quellen keinerlei Hinweis darauf, warum das relativ billige tierische Fett in Gablenberg besonders begehrt gewesen sein sollte.

7. Irrtum: Die irische Kneipe „Alte Schule“ war einmal eine Schule.

Das Gebäude wurde erst zu Beginn der 1950er-Jahre errichtet. Zunächst befand sich darin eine Blumenhandlung, ab 1958 eine Weinstube. 1985 ge-stalteten die neuen Besitzer das Haus zu einem irischen Pub um und gaben ihm den Namen „Alte Schule“ - benannt nach dem direkt daneben (!) liegenden, 1836/37 erbauten und viel markanteren alten Schulhaus, in dem sich heute ein Museum (MUSE-O), ein Theater (La Lune) mit Gastronomie (Cuisinle), eine Mauerseglerstation und Vereinsräume befinden.


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