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Stuttgart: Musik als Melting Pot bei den 34. Theaterhaus Jazztagen

Sie sind ein Stück deutscher Musikgeschichte und dabei so frisch und lebendig wie eh und je: die Jazzrock-Legenden Kraan und Embryo.

Stuttgart: Musik als Melting Pot bei den 34. Theaterhaus Jazztagen

Marja Burchard (Mitte) mit dem Musikkollektiv Embryo, das ihr Vater Christian 1969 gegründet hat. Foto: Veranstalter

Sie haben schon Jazzrock gespielt, als es den Begriff offiziell noch gar nicht gegeben hat: die Brüder Peter und Jan Fride Wolbrandt (Gitarre und Drums) gemeinsam mit Helmut Hattler (Bass). Zusammen sind sie seit 1970 die Gruppe Kraan, schon zuvor haben sie als Schüler unter dem Bandnamen Inzest gemeinsam Musik gemacht. Über fünf Jahrzehnte kamen und gingen verschiedene musikalische Weggefährten, das Gründungstrio bildete über all die Jahre stets den Kern. Seit 2008 spielt Kraan in Triobesetzung. Die aus Ulm stammende Band hat früh ihren unverwechselbaren Sound gefunden und ist ein Stück deutsche Musikgeschichte.

Ihren Stil entwickelte die Band in den wilden 1970-er Jahren. Bei Kraan dreht sich von jeher alles um das Jammen und Improvisieren, Musik- und Stilrichtungen werden vermischt, verändert und neu gespielt. Der originelle Klang der Jazzrock-Pioniere speist sich aus den weit gefächerten musikalischen Interessen aller Bandmitglieder: orientalische und asiatische Klänge, jazzige Läufe und harte Beats finden ganz selbstverständlich zueinander und bilden ein neues, originelles Ganzes.

Dass Musik ideal sein kann, um Generationen miteinander zu verbinden, dafür ist das internationale Musikkollektiv Embryo aus München ein wunderbares Exempel. Marja Burchard, Multi-Instrumentalistin und Tochter des Gründers Christian Burchard, übernahm 2015 die 1969 von ihm gegründete Band, in deren Mitte sie aufwuchs. 1996 trat sie im Alter von elf Jahren erstmals bei Embryo in Erscheinung. Sie hat die Band durch neue Elemente wie etwa Beatboxing verjüngt, trägt aber auch die Embryo-Tradition fort. So sucht Embryo weiterhin nach neuen Klängen, Rhythmen, interessanten, musikalischen Partnern und findet sie immer wieder.

Von Anfang an ignorierte die bunte Truppe, welche die Musikgeschichte prägte, die Grenzen zwischen Genres und zeigte, dass es in verschiedenen Klangkulturen und Stilarten mehr Verbindendes als Trennendes gibt. Dabei werden Krautrock-Elemente, Jazz, freie Improvisation sowie Rhythmen und Klänge aus Europa und der ganzen Welt miteinander verwoben. Im Laufe der Jahre haben über 400 nationale und internationale Jazz- und Krautrockmusiker mitgespielt, wie etwa Mal Waldron, Okay Temiz, Fela Kuti, Charlie Mariano und viele anderen Musiklegenden. Gabriele Metsker

Kraan und Embryo: 1. April, 19.30 Uhr


Anklänge an Beatles und Commodores

Der Stuttgarter Jazzpianist und Arrangeur Ull Möck übersetzt am 1. April im Theaterhaus Songs aus dem großen Beatles Songbook in den Slang des Jazz und Souljazz der 1950er und -60er Jahre. Möck ist Komponist, Arrangeur und Studiomusiker und seit 2009 Dozent für Jazz/Pop Piano an der Musikhochschule Stuttgart. Mit ihm an diesem Abend auf der Bühne zu erleben sind Bassist Axel Kühn, Drummer Michael Kersting und die Sängerin Lilly Thornton.

Genregrenzen überschreiten und Stiletiketten auflösen - für Joo Kraus ist das die große Leidenschaft. Eben diese Leidenschaft entfacht der vielfach ausgezeichnete Trompeter mit Stücken seines neuen Albums „No Excuse“, das im Herbst 2024 veröffentlicht wird und von dem schon jetzt einige Nummern als Premiere zu hören sein werden. Musik, die mal an den Rock von Nick Cave erinnert, mal an den Soul der Commodores und mal an den psychedelischen Sound von Pink Floyd. Die Songs sind bunt, vielfältig, spannend, experimentell, fernab von musikalischer Konvention und doch unverkennbar - Joo Kraus! Mit dabei: illustre Gäste wie der in New York lebende Violinist Gregor Hübner und malawische Sängerin Malia. red

Ull Möck Trio feat. Lilly Thornton: Beatles go Blue Note; Joo Kraus feat. Malia & Gregor Hübner: 1. April, 19 Uhr


Begegnung von Jazz und HipHop

Noir de Soul ist eine in Stuttgart ansässige Jazz-HipHop-Soul-Band. Bekannt dafür, mit Samples zu arbeiten, schaffen sie mit Live-Instrumenten einen einzigartigen Sound, der kulturelle Brücken baut. Mit ausschließlich eigenen Songs kreieren sie eine soulige, jazzige Hip-Hop-Live Performance mit Dope Lyrics und Beats.

Robohands, die zweite Band an m Abend des 5. April, vereint Elemente aus Jazz, Krautrock, Hip-Hop und Ambient-Musik. Die Musik integriert moderne Motive, zeitgenössische Jazz-Hip-Hop-Drumming-Stile mit einer Anspielung auf 1990er-Mo Wax-Künstler wie DJ Shadow. red

Noir de Soul, Robohand: 5. April, 20.30 Uhr


Magisches Blech, zauberhafter Bass

Drei Blasinstrumente und ein Schlagzeug - das ist Magnus Mehls Pocket Brass Band. Die wuchtige, archaische Dichte der Brass Bands von New Orleans vermischt sich hier mit verträumter, lyrischer Melancholie. Nils Kugelmann befreit mit Wucht seinen Kontrabass wie kaum ein anderer aus der Rolle des Begleitinstruments. Als Bandleader und Sideman wurde Kugelmann bereits vielfach ausgezeichnet. Gerade gewann er den European Young Artist Award 2023 der Jazzwoche Burghausen. Neben weiteren Preisen erhielt er zudem den renommierten BMW Young Artist Jazz Award. red

Magnus Mehls Pocket Brass Band, Nils Kugelmann Trio: 6. April, 20.30 Uhr

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