Weilen aber die Zahl der Handwercksleuth sich je mehr und mehr allhier ergrößert, also daß bey gegenwärtig trangseelig- und gellt-klemmen Zeiten wür uns sambt unseren armen Weibern und Kindern..... säurlich ernehren müeßen.“
Übersetzt in die gegenwärtige Sprache heißt das: „Die Handwerksleute nahmen immer mehr zu, während man in leidvollen und klammen Zeiten kaum Frauen und Kinder ernähren konnte.“ Das war die Begründung der Initiatoren, die den Pferdemarkt 1684 - nachdem er 1682 bereits stattgefunden hatte - wiederaufleben zu lassen. Die Organisatoren - Leonberger Bürger und Handwerker - hatten die Absicht, mit dem Pferdemarkt auch wieder die Wirtschaft ankurbeln zu können.
Und heute? Heute ist der Leonberger Pferdemarkt zu einer großen Pferdeschau geworden, bei dem die Vierbeiner immer noch mit allen Hufen fest im Zentrum des Geschehens verankert sind. Der Festumzug am Dienstag, also dieses Jahr am 11. Februar, ist traditionell der Höhepunkt des Geschehens. Circa 45 000 Zuschauer säumten vor einigen Jahren die Straßen Leonbergs - absoluter Besucherrekord zwischen Stadthalle, Reiterstadion, Altstadt und Tilgshäusle. Das Besondere an diesem Festumzug ist, dass der Vielfalt hier keine Grenzen gesetzt werden. Die gelungene Mischung besteht aus prachtvollen Pferdegespannen, Vereinsbeiträgen, die auf den bunt geschmückten Festwagen präsentiert werden, Fuß- und Faschingsgruppen aus der Region. Und auch die Parteien des Gemeinderats werden - vor allem dieses Jahr kurz vor der Bundestagswahl - werden die Gelegenheit nutzen, und sich im besten Licht mit einem Augenzwinkern zu zeigen.
Therapeutisches Reiten am Freitag in den Mittelpunkt gerückt
Seit mittlerweile 14 Jahren dauert der Leonberger Pferdemarkt insgesamt fünf Tage, dieses Jahr vom 7. bis 11. Februar. Freitags ist es ein Brauch geworden, dass Therapeutisches Reiten in den Mittelpunkt gerückt wird. In dem Seminar wird erklärt, was die Hippotherapie, die heilpädagogische Förderung mit dem Pferd und den Parasport ausmacht. Erläutert werden die Unterschiede der einzelnen Bereiche und der Werdegang von Patientinnen und Patienten. Außerdem sollen Fragen beantwortet werden wie „Welche fachlichen Qualifikationen der Therapeuten und Therapeutinnen sind nötig?“, aber auch„Wie ist eine umfassende Reittherapie finanziell zu stemmen und woher bekommt man gute Fachkräfte?“
Die eigentliche Eröffnung beginnt um 16 Uhr auf dem Marktplatz der Altstadt. Der „Pferdemarkt-Tambour“ Matthias Ansel führt ins Geschehen ein. Anschließend darf sich das Publikum auf musikalische Unterhaltung des Musikvereins Lyra Leonberg und der Band „The Rogues“ freuen. Auch wenn Träume nicht wahr geworden sind: Dank der Handball-WM und Juri Knorr und der Hallensport, der Feldsport gespielt Sport-Idolen wie Julian Köster ist einst als wurde, wieder in aller Munde. Und die Stimmung bei den WM-Spielen war oft durchaus mit Stadionatmospäre zu vergleichen. Dass Handballer auch feiern können, beweist der SV Leonberg/Eltingen in der Steinturnhalle ab 21 Uhr in der ebenfalls am Freitag. Dessen Vereinsmitglieder übernehmen das „Warm-Up“ mit einer Disco, in der Rock und Pop und sämtliche Hits zum Mitsingen nicht zu kurz kommen werden.
Bereits vor der 21-Uhr-Disco dürfen jüngere Gäste ab 17 Uhr in der Georgii-Halle abtanzen, ein Abend, zwei Dancefloors. Ab 22 Uhr startet das Ü14-Event für Jugendliche ab 14 Jahren. Nicht nur der Dancefloor und die Siesta Dancers, sondern auch ein erstklassiger DJ wird den Abend zu einem besonderen Erlebnis werden lassen.
Zu einem solchen Fest gehört natürlich auch ein Vergnügungspark. Auch dieser Festteil hat sich im Laufe der Jahrzehnte verändert. Früher waren die Hauptattraktionen hölzerne Schiffschaukeln und der „Hau den Lukas“. Heute sind es Fahrgeschäfte wie das Kettenkarussell oder ein 3D-Kino. Auch 2025 verspricht die Familie Roschmann, die für die Organisation verantwortlich ist, wieder Highlights.
Erweiterung des Festgeländes auf dem Belforter Platz
Während die Geisterbahn die Besucher zum Gruseln bringt, ist das „große Entenangeln“ eher ein ruhiger Klassiker, bei dem die ganze Familie an einem neuen bunten Pavillon mit Angelstecken große Preise gewinnen können. Für die Kinder gibt es einen eigenen Bereich mit einem Kinderkarussell, der Kinderschleife und dem „Babyflug“, der Alternative für die mutigeren Kids, die ihr Flugzeug selbst vom Steigflug in den Sturzflug steuern können. Auch der gesetzte Teil ist auf dem Leonberger Pferdemarkt zu erleben: Autoskooter, Schießbude, Ball und Pfeilwerfen, Langos, Crepes und gebrannte Mandeln.
Auch 2025 gibt es eine Erweiterung des Festgeländes. Auf dem Belforter Platz, direkt vor dem Neuen Rathaus, sind ein Kinderkarussell, eine Spielbude, Süßwaren und verschiedene Markthütten platziert. Diese Dependance ist nicht nur am Dienstag, sondern auch am Sonntag geöffnet. Der Krämermarkt ist ein weiteres Forum, bei dem es um Pferdesportartikel und Geräte für Haus und Garten geht. Aus den über 300 Anmeldungen konnte ein buntes Angebot mit fast 120 Marktständen zusammengestellt werden.
Von der Redaktion
INFORMATIONEN
Online Eine ausführliche Beschreibung sämtlicher Programmpunkte findet man im Internet unter www.leonberger-pferde-markt.de/uebersicht/programm
Swing die Hufe oder sing den Schlager!
Kultur, Sport und Unterhaltung dürfen beim größten Event des Jahres in Leonberg nicht fehlen – manchmal ernst, manchmal ausgelassen.
Am Samstag, 8. Februar, beginnt der Tag um 10 Uhr im Sportzentrum Leonberg, Steinstraße 18. Das Familien-Tanz-Event „Swing die Hufe!“ setzt die Reihe„Sport beim Leonberger Pferdemarkt“ fort. Tanzen verbindet die Menschen und Kulturen und ist Ausdruck von Leben, Leidenschaft und Freiheit. Wer schon immer mal ausprobieren wollte, wie ein Schnuppertraining für die Mini Dance Kids aussieht, was es mit dem amerikanischen Gruppentanz Line Dance auf sich hat oder welche Bewegungen sich hinter Bachata verstecken, ist hier den ganzen Tag bis 20 Uhr genau richtig. Für jeden ist etwas dabei: Ob Einsteiger ohne Vorerfahrung oder bereits erprobte Tänzer, die gerne was Neues entdecken möchten - hier findet jeder ein passendes Angebot.
Bei „Swing die Hufe!“ handelt es sich um Mitmachangebote im Sinne von Tanzworkshops beziehungsweise einem Schnuppertraining. Alle Angebote werden von Leonberger Vereinen oder Abteilungen durchgeführt, sind kostenfrei und jeder und jede kann ohne Anmeldung mitmachen.
Ebenfalls am Samstag, 8. Februar, 21 Uhr, wird nochmals in der Steinturnhalle, Steinstraße 5, auch abgetanzt und ganz bestimmt stimmgewaltig gesungen. Nach dem Warm-Up am Freitag folgt der Abend mit „Schlager- und Aprés-Ski-Hits“. Ab 21 Uhr unterhält DJ Klaus mit allem, was auf Volksfesten und abseits der Skipiste angestimmt wird. Die Handball-Catering-Crew bewirtet die Gäste mit dem Modell „Kleine Kneipe“. Die Saalöffnung ist um 20 Uhr. Das Organisationsteam ist die Handballabteilung des SV Leonberg/Eltingen. Wer sich vorab bei den Heimspielen Karten gesichert hat, hat auch Heimvorteil und wird an der Abendkasse bevorzugt. Es gilt das Motto: Tickets, so lange der Vorrat reicht.
Am Samstag, 8. Februar, 16 bis 18 Uhr, geht es bestimmt ruhiger zu: Tierische Geschichte(n) heißt eine Sonderführung zum Pferdemarkt, die am Marktbrunnen startet. Hundehauptstadt, Pferdefest, Jagdwahn - die tierische Seite der Leonberger Geschichte ist äußerst vielfältig, wie Gerd Jenner bei der Vorbereitung seiner Führung entdecken konnte. Das Spektrum reicht von Nutztieren, die in der landwirtschaftlich geprägten Stadt eine große Rolle spielten, bis zu Tierdarstellungen in der Stadtkirche. Auch ein früher Tierschützer ist Thema: Stadtpfarrer Adam Gottlieb Weigen schrieb bereits 1711: „Unsern Mitgeschöpffen Gewalt anthun, und ihnen das Leben nehmen ohne Ursach, ist Tyranney“. Der kulinarische Abschluss findet am unteren Marktplatz statt, einem historisch bedeutsamen Ort. In diesem Bereich befand sich einst das Untere Tor zur historischen Stadt Leonberg. Hier dürfen die Gäste Glühwein und ein herzhaftes Schmankerl genießen. Auch hier gilt es, sich Tickets zum Preis von 19 Euro im i-Punkt schnell zu sichern.
Etwas leisere Töne schlägt auch „Figaros Hochzeit“ am Montag, 10. Februar, 19.30 Uhr, im Theater im Spitalhof an. Obwohl es auch hier drunter und rüber geht: Das Bühnenstück ist eine modernisierte Version von Gerd Sprenger nach dem Original von Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais (17321799). Beaumarchais schrieb diese Komödie im Rahmen einer „Figaro-Trilogie“. Die beiden ersten Teile, „Der Barbier von Sevilla“ und „Figaros Hochzeit“, sind durch die Opern von Rossini und Mozart populär geworden und fanden ihren Platz auch auf den Theaterbühnen. Den dritten Teil, „Die schuldige Mutter“, kennen fast nur Literaturhistoriker.
Tickets kosten 18 Euro, ermäßigt zwölf Euro. Veranstalter ist die Bühne 16 mit dem Kulturamt der Stadt Leonberg.
Von der Redaktion