Von Eva Herschmann
Ein Leben haben die Defibrillatoren in Filderstadt bereits gerettet. Am 18. Juli 2016, einem heißen und schwülen Montagabend, war Henry Steinmetz auf der Tennisanlage des TSV Sielmingen, vor den Augen seines Spielpartners Matthias Feuerbacher zusammengebrochen. Sein Herz hatte plötzlich aufgehört zu schlagen. Henry Steinmetz hatte Glück, und das hat er dem mutigen Einsatz von Sportlern auf der Tennisanlage zu verdanken. Sie hatten das Herz von Steinmetz mithilfe eines Laien-Defibrillators wieder zum Schlagen gebracht, der erst kurz zuvor auf der Sportanlage installiert worden war.
„Mir ist wichtig, dass Menschen anderen Menschen Hilfe leisten können“, sagt Richard Briem. Deshalb hat er es sich schon seit 2013 zum Ziel gesetzt, so viele Defibrillatoren wie möglich in Filderstadt zu verteilen. Bei dem Gerät, kurz Defi genannt, handelt es sich um ein Hilfsmittel gegen den plötzlichen Herztod. Durch akustische Anweisungen kann jeder das lebensrettende Gerät auch ohne medizinische Fachkompetenz anwenden. „Das einzige, was man bei plötzlichem Herzversagen falsch machen kann, ist nichts zu tun“, sagt Briem, der regelmäßig in Schulen, Vereinen und Organisationen unterwegs ist, um den Umgang mit den Laien-Defis vorzuführen.
Die Laien-Defibrillatoren bezieht Richard Briem von der Björn Steiger Stiftung
Die Geräte bezieht Richard Briem von der Björn Steiger Stiftung. Die Stiftung hatte 2001 die Aktion Kampf dem Herztod ins Leben gerufen und hat seitdem Organisationen in ganz Deutschland mit 25 000 Geräten ausgestattet. Wer von der Stiftung ein Gerät kauft, zahlt den Anschaffungspreis. Die Defis seien dort bereits für 980 Euro zu haben, erzählt Briem. Von der Björn-Steiger-Stiftung hat der Initiator aus Plattenhardt deswegen vor Jahren schon eine Urkunde überreicht bekommen, darin Richard Briem als „Kämpfer gegen den Herztod“ ausgezeichnet wird.
Mehr als 100000 Menschen sterben jährlich an plötzlichem Herztod, der damit eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland ist. Betroffen sind nicht nur kranke, ältere Menschen, sondern auch scheinbar gesunde Sportler. Defibrillatoren können in Verbindung mit einer Herzdruckmassage die Überlebenschancen im Falle eines Herztodes auf 50 bis 70 Prozent steigern. Entscheidend ist allerdings ein schnelles Handeln. Mit jeder Minute nach einem Herzstillstand sinkt die Chance, den Patienten zu retten, um zehn Prozent. Die Bedienung der Geräte sei jedoch denkbar einfach und speziell auf Laien zugeschnitten, betont Richard Briem. „Und so können die wichtigsten Minuten bis zum Eintreffen der Rettungskräfte überbrückt werden.“
Über 70 Defis im Stadtgebiet Filderstadt angebracht
Über 70 Defis wurden dank seines Engagements in öffentlichen Gebäuden oder an öffentlichen Plätzen angebracht, etwa auf dem Dr.-Peter-Bümlein-Platz am S-Bahnhof Filderstadt Bernhausen, der täglich nach Angaben der Stadt von 10000 Menschen passiert wird. Die Pads, wie die Akkus für die Defis heißen, wechselt Richard Briem selbst aus. Das ist für ihn selbstverständlich. Alle drei bis vier Jahre sei dies nötig, sagt er und: „Solange die Nachfrage da ist, werde ich Defis verteilen.“ Und er zeigt auch, wie man damit umgehen muss, neulich erst bei einer Schulung bei der Herzsportgruppe in Filderstadt-Bonladen. Dass eines der Geräte auch schon Leben gerettet hat, mache ihn sehr glücklich, sagt Richard Briem. Aber am liebsten ist es ihm, dass die Geräte nicht gebraucht werden.