Der Schnecken in der Ortsmitte und die Sühnekreuze an der Hofwiesenstraße kennt wohl jeder und jede in Plattenhardt. Um das alte Haus mit der charakteristischen Wendeltreppe in der Uhlbergstraße und die fünf steinerne Kreuze ranken sich zwei der wohl wundersamsten Plattenhardter Sagen, bei denen sich Geschichte und Legenden verbinden.
Der Name geht vermutlich auf „platte“, also eben, und „Hart“, ein altes Wort für Weidewald zurück. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Plattenhardt 1269. Haupterwerbsquelle war der Ackerbau, und der nah gelegene Schönbuch wurde für Holzgewinnung, Weide und Schweinemast genutzt. Zur Plattenhardter Geschichte gehört auch der „Schnecken“ in der Uhlbergstraße 11. Es sei zwar nicht das älteste Gebäude im Ort, das sei die Kirche, sagt Filderstadts Stadthistoriker Nikolaus Back. „Aber es ist ein bemerkenswerter Fachwerkbau, der zudem gut renoviert wurde.“
Erbaut wurde der „Schnecken“ 1553, der Anbau stammt von 1579. Der Wendeltreppenturm, nach dem das Haus seinen Namen bekommen hat, stamme entweder von einem Vorgängerbau, oder er sei von einem anderen Gebäude hierher versetzt worden, erklärt Back. Er kennt auch die Sage vom „bösen Mann im Schnecken“. Die Mär handelt von einem hartherzigen Edelmann, der einst hier gewohnt haben soll. Bei einer Hungersnot habe er die Dorfbewohner zu Tisch gebeten und köstliche Speisen auffahren lassen. Doch weil er allen einen Ritterhelm mit Visier aufgesetzt hatte, konnte sie nichts essen, während er schlemmte und die Hungrigen verhöhnte. Als er satt war, ließ er die Dörfler von seinen Hunden aus dem Haus jagen. Einen alten Mann, der nicht schnell genug war, hätten die Hunde so zugerichtet, dass er starb. Nicht ohne den Ritter zuvor noch zu verwünschen. Tatsächlich traf den Ritter die Strafe Gottes. Alles, was er aß, verwandelte sich zu Stein, so dass er jämmerlich ersticken musste.
Steinkreuze statt Blutrache

Die Steinkreuze, die ursprünglich auseinander standen und beim Ausbau der Mörikestraße in den 60er Jahren an die heutige Stelle versetzt wurden, erzählen die Geschichte eines adligen Ortsherren von Plattenhardt und seinen sechs Söhnen. Fünf waren bösartig und streitsüchtig, nur der jüngste war eine Ausnahme. Als sie auf dem Heimweg von einem Turnier auf dem Hohenneuffen waren, bei dem der Jüngste den silbernen Siegeskranz errungen hatte, fielen die fünf Brüder aus Neid und Missgunst am Platz der heutigen Linde über ihn her. Am Ende waren alle sechs Brüder tot, auch der herbeigeeilte Kaplan wurde zum Opfer. Der Vater sei aus Gram darüber am Schlagfluß gestorben – das Schloss spurlos zerfallen. Auf dem Kampfplatz aber seien sieben Kreuze errichtet worden zur ewigen Erinnerung an diesen traurigen Vorgang.
Soweit die Sage, wie sie allgemein bekannt ist. Doch der Stadthistoriker kennt die historischen Hintergründe der Geschichte. „Tatsächlich sind es Sühnekreuze und ursprünglich waren es sogar acht. Wahrscheinlich gab es sogar recht viele davon, aber die meisten sind verloren gegangen.“ Im Mittelalter habe die Blutrache zwischen den Familien des Täters und des Opfers geherrscht. Mit zum Teil fatalen Folgen, weil sich ganze Familien gegenseitig ausrotteten, erläutert Nikolaus Back. „Um dies zu verhindern, versuchte die Obrigkeit durchzusetzen, dass der Täter eine Sühneleistung erbringen musste, wie eine Wallfahrt plus das Setzen eines Steinkreuzes.“ Damit habe sich die Familie des Opfers zufrieden geben müssen, sagt Back. „Sie durfte sich nicht mehr persönlich rächen.“ Eva Herschmann